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Haiti, Wüste der Tränen.
Ich wollte eigentlich gar nicht darüber schreiben. Solche Nachrichten übersteigen meinen Horizont an Vorstellungskraft. Ich kann das ganze Leid, was jeder einzelne Mensch dort jetzt erleben muss, nicht fassen und auch nicht begreifen. Ich weiß nur, dass es passiert ist. Manche Leute meinen, es sei eine Strafe Gottes für den Pakt mit dem Teufel, den die Haitianer angeblich eingegangen sind. Diese These stellte zumindest ein evangelikaler Prediger aus Amerika – Pat Robertson – auf. Manche Leute haben dem zugestimmt. Manche wissen nicht, dass Haiti auf dem Papier vorwiegend katholisch ist und dass sich diese These von Robertson vor allem auf die für ihn dämonische Kirche anwenden lässt. Desweiteren vergessen jene Leute vielleicht, dass ihre eigenen Sünden genauso mit dran Schuld sein -k ö n n t e n-. Oder sind wir in Deutschland oder in Nordamerika alles Heilige? Warum fühlen wir uns hier so sicher?
Machen wir doch einmal das, was die Evangelikalen glauben am besten zu können, lassen wir die Bibel sprechen:
Lukas 13
1 Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, sodass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte.
2 Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht?
3 Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.
4 Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden – meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht?
5 Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.
Oh natürlich könnte man das jetzt mit einigen Bibelzitaten aus dem alten Testament versuchen zu widerlegen, aber: Wir leben in der Endzeit. Es ist die letzte Chance um zu wählen: Ewiges Leben oder ewige Qual. Nach diesem hier, gibt es kein weiteres Testament, keinen dritten Bund.
Was wir angesichts solcher unfassbaren Katastrophen überhaupt tun können? Beten, helfen, Mitleid haben, ein Licht anzünden und nochmal beten, dass wir nicht auch eines Tages so etwas erleben – denn verdient hätten wir es und wir sollten froh sein, dass wir nicht all das bekommen, was wir verdient haben. Darin besteht auch die große Barmherzigkeit Gottes, was wir schon im alten Testament nachlesen können oder im Gleichnis: der verlorene Sohn. Wenn wir Gott um Verzeihung bitten, dann verzeiht Er uns und besonders durch das Sakrament der Taufe und der Beichte werden unsere Kleider im Blute des Lammes rein gewaschen. Wenn Er aber unsere Sünden vergibt, dann vergisst Er sie auch gleichzeitig. Gottes Liebe ist unerschöpflich, Er will nicht unseren Tod – dann sollten wir ihn auch nicht wollen.
Allerdings finde ich, dass man nicht behaupten darf, es gäbe überhaupt gar keine Strafe oder Zulassung Gottes. Das macht uns erstens unvorsichtig; trotzig sowie misstrauisch gegenüber Gott – denn warum lässt er das dann zu – und: damit würden wir ein Freimaurer-Gottesbild bestätigen, wonach es nur einen großen Baumeister-Gott gibt, der einmal schöpfte und es sonst nie mehr wieder tut. Quasi der alles und jeden sich selbst überlässt. Und so ist Gott nun einmal nicht. Das Erdbeben ist unter der Zulassung Gottes passiert. Das ist das einzige, was wir wissen. Womit die Leute das dort verdient haben, darüber haben wir nicht zu urteilen. Wir sollten lieber wachsam sein und beten, dass wir in der Endzeit – die seit Jesu Auferstehung begonnen hat – allem entrinnen können.
Meiner Meinung nach halten solche Unglücke für die Verschontgebliebenen zweierlei Aufgaben bereit:
1.Auf sich selbst und den eigenen Lebenswandel vor Gott schauen und ihn überprüfen!
2. Auf das Leid der Mitmenschen schauen und im Mitleid zu Werkzeugen der Nächstenliebe werden!
Denkt an die Sendschreiben an die sieben Gemeinden in der Offenbarung des hl. Johannes: 1,9 – 3,22.
Daran können wir uns und unsere eigenen Gemeinden überprüfen genauso wie an den Schicksalen anderer Gemeinden.

Maria, Mutter von der immerwährenden Hilfe, bitte für uns und für die Überlebenden.
O Herr, schenke ihnen die ewige Ruhe
und das ewige Lich leuchte ihnen,
Herr, lass sie ruhen in Frieden. Amen.
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PS: Wenn ich von “wir” spreche, meine ich das Gros – die gesamte Menschheit und Bevölkerung inklusive meiner eigenen Wenigkeit. Aus dem Grund, weil wir einen Konsens brauchen um uns alle angesprochen zu fühlen, weil die Bekehrung uns allen etwas angeht.