Brauchen wir eine christliche Kulturrevolution?
Geschrieben von conservare - 20/02/2010
Um was geht es in dieser Umfrage?
Ich weiß, es ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt während der Fastentage eine Umfrage zu starten. Viele Leute schränken ja gerade jetzt ihre Aktivität im Internet ein. Trotzdem komme ich irgendwie nicht drum herum (auch durch Elsas heutigem Beitrag inspiriert) eine etwas größere Umfrage zu starten. Um die ganze Aktion ein bisschen auszudehnen, eröffne ich demnächst eine neue Unterseite in der obigen Spalte namens: Umfragen. Dort bringe ich dann alle Umfragen unter, die sich im Laufe der Zeit hier ansammeln werden.
Wie es die Überschrift vermuten lässt, geht es mir in meiner ersten Umfrage um die christliche Kulturrevolution. Wer mit diesem Begriff nichts weiter anzufangen weiß, der sei auf die zahlreichen Beiträge auf Gloria.tv und kathtube.com mit Gabriele Kuby, Christa Meves, Weihbischof Laun und Alexandra Maria Linder verwiesen. Besonders bei Christa Meves und Gabriele Kuby finden wir am meisten den Gedanken der christlichen Kulturrevolution investiert. Beide Frauen sind Mütter. Beide veröffentlichen Bücher, Broschüren, Organisationen und Artikel nahezu am laufenden Band und beide sind wissenschaftlich sehr engagiert und – was noch wichtiger ist – informiert. Frau Kuby als Soziologin und Frau Meves als Psychologin. Alexandra Maria Linder dürfte für Viele aus der Pro Life-Bewegung eine bekannte Persönlichkeit sein. Nicht zuletzt durch das Buch “Geschäft Abtreibung”. Den Salzburger Weihbischof Laun kennt wohl auch jeder, der regelmäßig die Nachrichten auf kath.net verfolgt. So viel ich weiß, wurde dieser Begriff auch auf den zahlreichen Treffpunkten von “Kirche in Not” verbreitet. Wer will, kann sich also im Handumdrehen mit allem, was damit zu tun hat, vertraut machen. Material dazu gibt es im Internet wirklich haufenweise.
Die Probleme unserer Gesellschaft und der aktuell vorherrschenden Kultur, auf die die christliche Kulturrevolution die Antwort sein soll, kennen eigentlich alle Christen. Sofern sie mit offenen Augen durch die Welt gehen. Es sind hauptsächlich – um es kurz anzureißen – die Merkmale einer Kultur des Todes: Frühsexualisierung der Kinder; flächendeckender Einsatz von chemischen und technischen Verhütungsmitteln; die Zerstörung der Ehe und der Familie; die großflächige Sexualisierung der gesamten Gesellschaft und als Konsequenz daraus die Abtreibung sowie aus deren Konsequenz heraus die Euthanasie. In aller Munde ist auch bereits die demographische Krise, die vor den Türen einiger europäischer Länder steht.
Man könnte sagen, dass eine christliche Kulturrevolution die logische Folge sein muss, da all diese Kennzeichen einer Kultur des Todes größtenteils in einer Zeit auftauchten, als die Gesellschaft immer gottloser oder religiös uninteressierter und lauer wurde. Damit sind nicht nur die letzten 40 Jahre gemeint! Wer die Geschichte Deutschlands zurückverfolgt, wird unweigerlich feststellen, dass der massenhafte Abfall vom Glauben schon im 18. Jahrhundert quasi vorprogrammiert war. Menschenfeindliche Ideologien gärten in der gefallenen Menschennatur ja schon immer, auch lange vor dem 18. Jahrhundert. Aber diese Zeit sehe ich gerade im Bezug auf Deutschland und eigentlich auf ganz Europa in der Rolle als “Samenspender” für die menschenverachtenden Auswüchse in der Moderne und in der Postmoderne. Viele heutige Ideologien finden ihren Nährboden in weit zurückreichende Jahrhunderte, teils auch in der Antike. Aber ich denke wir müssen gar nicht bis zum goldenen Kalb oder bis zur Anbetung des kinderfressenden Molech zurück gehen. Wir wissen ja, wie der Tod in die Welt kam.
Gehen wir jetzt also davon aus, dass die heutige Gottlosigkeit aus einem schleichenden Prozess über die Jahrhunderte verteilt hervorgegangen ist, stellt sich nun die Frage: Wenn diese Entchristlichung schon so lange gedauert hat, lohnt es sich dann überhaupt jetzt erst zu versuchen, das Ruder herumzureißen? Soll man nicht lieber der Geschichte ihren Lauf lassen und warten, bis die Stunde der Christen erneut schlägt? Oder soll man einen mühsamen, langen und ungewissen Weg beschreiten, um eine Gegenkultur – also eine Kultur des Lebens basierend auf dem christlichen Menschenbild – aufzubauen? Ist eine Kulturrevolution möglich, wenn man bei sich selber anfängt und sein Leben betend nach den Geboten Gottes ausrichtet?
Und hier möchte ich eure Meinung wissen. Ich hoffe auf rege Teilnahme.
EDIT:
Weil es beim Wort ‘Kulturrevolution’ im Zusammenhang mit dem Wort ‘christlich’ einige Probleme gab, möchte ich den Begriff jetzt erst einmal meiden.
Zwar ist das Wort ‘Revolution’ sehr herausfordernd und prägnant, aber im oben genannten Zusammenhang bedarf es scheinbar einer größeren Erklärung und ich finde das viel zu kompliziert. Warum also nicht einfach selbsterklärend. Mal sehen.







Maria Magdalena sagte
In mir sträubt sich alles gegen den Begriff “Kulturrevolution” in Verbindung mit “christlich”. Das ist ein Gegensatzpaar, das ich mir kaum größer vorstellen kann, vom Kaliber “dreieckiger Kreis” – also geht gar nicht. Revolution impliziert sinnloses Morden und Metzeln, man betrachte nur die französische oder die russische. Und Kulturrevolution: Der Begriff ist eindeutig mit “chinesisch” besetzt. Brutalste Religionsverfolgung, Zerstörung einer jahrtausende alten Kultur, Mord, Folter, Vergewaltigung, Zerstörung sämtlicher Strukturen und daraus folgend Hungersnöte mit noch mehr Toten.
Das passt nicht mit “christlich” zusammen. Nicht “Umsturz” ist christlich, sondern Bekennertum und notfalls auch Martyrium.
conservare sagte
Also deinen Einwand verstehe ich nicht ganz bzw. teilweise schon. Dir geht es jetzt nur um den einen Begriff und dass dieser nicht mit “christlich” zusammen passt. Was dahinter steckt, scheint dir ja trotzdem recht zu sein.
Das Wort “christlich” steht hier aber nicht gleichwertig mit “Kulturrevolution” zusammen, sondern es ist der Nenner dafür und somit steht diese Revolution unter einem “umgekehrten Vorzeichen”. Ich sagte schon: Jeder fängt bei sich an, nach den Geboten Gottes zu leben – was vor allem die Nächstenliebe einschließt. Es geht nicht darum, jemanden etwas aufzuzwingen, sondern es geht darum, das eigene Leben – wenn man sich Christ nennt – zu frommen und dort den Mund aufzumachen, wo es nötig ist. Z.B. bei der Schulerziehung der Kinder; bei Abtreibungsgesetzen usw.
Ich dachte das sei selbstverständlich, aber vielleicht schreibe ich noch eine weitere Erklärung dazu.
Danke für deine Wortmeldung!
Gottes Segen und einen schönen Sonntag wünsche ich dir.
Paul M sagte
Hallo – vielen Dank für diese interessante Fragestellung – und den Anstoss sowieso.
Meine unreflektierte persönliche Reaktion: Wir befinden uns – mit Peter Kreeft gesprochen und im Posting schon angeklungen- in einem “Krieg der Kulturen”, und haben also insofern nur begrenzte Optionen. “Krieg” bedeutet da natürlich “Liebeskrieg”: ein Hinaustragen und Vorleben der Frohen Botschaft. Eine gewaltige Katechese….vielleicht bis wieder Märtyrerblut in Europa fließt.
Über den Begriff Kulturrevolution kann man diskutieren, klar. Daher auch mein kurzer Kommentar bei Maria Magdalenas Blogeintrag über die Frage nach Begrifflichkeit und ihrer Rolle. Wenn das Wort die (bei uns allen vorhandenen) lauwarmen Tendenzen ein wenig einheizt, ist sr ja schon mal auf einer bestimmten Ebene ganz nützlich. Frage mich gleichzeitig: Wo verortet man einen Unterschied zwischen “Kulturrevolution” und “Apostolat” zum Beispiel, etwa im traditionellen Sinn, wie etwa bei Dom de Chautard? Im Auftreten oder der Handlung selbst?
conservare sagte
Hallo Paul.
Ich habe dies hier ja zur Diskussion gestellt, weil ich mir selber nicht sicher bin.
Was das Apostolat angeht, so muss man fragen ob dies direkt auf die ganze Gesellschaft wirken soll oder erst im unmittelbaren kleinen Umfeld. Meistens ist Letzeres ja der Fall, es sei denn ein wichtiger Politiker oder ein Hollywood-Star fängt an, seinen Fans ein christliches Leben vorzuleben.
Das Wort “Revolution” ist drastischer und es versteht aber scheinbar nicht jeder, warum es gewählt wurde. Trotzdem bleibt: Das Wort “Revolution” ist drastisch weil es eine gewisse Dynamik inne hat, wenn wir vom Ursprung des Wortes ausgehen. Es heißt für mich: Aufwachen! Erneuerung! Richtungswechsel! Bekennermut und ganz hingegen zu den Gepflogenheiten der Welt setzen wir das Christliche. Das heißt: Keine Tötung, da es kein unwertes Leben vor Gott gibt. Kein Ehebruch als Lifestyle, keine Promiskuität als Lifestyle, keine Zwangssexualisierung der Kinder usw. usf. und dies bedeutet bei uns Christen ja immer, dass man mit gutem Beispiel vorangeht und nicht nur Wasser predigt, sondern auch Wasser trinkt.
Es gibt sogenannte revolutionäre Erfindungen, die das Leben revolutionieren. Das heißt ja nicht, dass das Leben durch diese Erfindung etwas französischer wird…
ich finde, es ist nur das Potential des Wortes “Revolution”, das hier für den Begriff “christliche Kulturrevolution” gewählt wurde.
gebsy sagte
Vergelt’s Gott für die Anregung.
Unsere Generation ist dazu ausersehen, zu erkennen, dass wir am Ende einer Sackgasse angelangt sind.
Die Wahrheit in der Person Jesu Christi hat schon gesiegt; die Lügen haben keinen Bestand.
Hat nicht jeder Mensch ein Recht darauf, davon einmal gehört zu haben?
Wie denken wir über diese Darstellung einer Glaubenserfahrung?
http://www.auf-christus-schauen.at/node/145
gebsy
bundesbedenkentraeger sagte
Ich frage mich, wie denn eine solche “Kulturrevolution” (nur weil die Chinesen den Begriff geprägt haben heißt das ja nicht, daß wir ihn nicht klauen und umdeuten dürfen, kam in der Kirchengeschichte ja öfters mal vor) aussehen soll und kann.
Umerziehungslager, Zwang etc kann nicht sein, und das wird wohl hier auch keiner wollen. Ich frage mich auch: Was ist eine christliche Kultur ohne christlichen Glauben? Genau: Die HÖLLE. Denn wenn jemand sich an irgendwelche überkommenen kulturellen Vorgaben orientiert, ohne den Glauben, ohne die Liebe zu Gott und den Menschen (und wie wahr kann Liebe zum Menschen ohne Liebe zu Gott sein?) zu haben, dann wird er in der Anwendung der kulturellen Vorgaben lieblos. Und damit wird das Ganze unchristlich und böse.
Also kann eine solche Revolution nur darin liegen, zu verkünden. Leider gab es in letzter Zeit wenige gute Verkündiger, meist redet ein Christ gar nicht mehr über seinen Glauben, weil er sich entweder schämt oder meint, hier in Deutschland kennt ja jeder schon die Grundlagen des Christentums und versteht was Sünde, was Erlösung ist. Eben nicht!
So wird das Feld irgend welchen teils verantwortungslosen Sektierern und Bauernfängern überlassen, die für ein bißchen religiöses Gefühl Menschen um sich scharen und ihnen einfach Vorgaben machen, wie sie ihr Leben zu leben haben – und halten sie vom Evangelium fern und sind selbst Teil der Todeskultur.
Wir müssen, wenn wir die Kulturrevolution wollen, die Herzen gewinnen. Wir können nicht wie die Chinesen mit Druck arbeiten, wir müssen versuchen zu überzeugen und hoffen, daß Gott die Gnade des Glaubens ausschüttet. Wir müssen die Sprache der Menschen lernen, Paulus war den Griechen ein Grieche und den Juden ein Jude. Viele Religiöse sind heutzutage den Nichtreligiösen vor allem eins: Ein Spinner. Redet mit ihnen auf ihrem Feld, in ihrem Weltbild. Das Christentum hat sich über die Jahrtausende in viele Weltbilder eingepasst, hat diese übernommen und umgedeutet. Es geht. Es kostet aber auch Arbeit. Geht auf die Weltanschauung Eurer Gesprächspartner ein, dann werden sie es mit der Zeit vielleicht auch schaffen, auf unser Weltbild einzugehen. Dies ist ein langwieriger Prozess, und wir können ihn nicht alleine bewerkstelligen (noch so ein Unterschied zu einer normalen Revolution) ohne Hilfe von Gott, dessen Gnade unverzichtbar ist für den Glauben und für das Verstehen der Hoffnung und der Freude, die in uns ist.
Gottes Segen
De Benny
angelus sagte
Ich denke der Begriff ist gut. Selbst Johannes Paul hat von einer Revolution der Liebe gesprochen. Also machen wir uns auf den Weg!!! Packen wirs an!
Auch Martyrerblut ist nicht auszuschliessen, aber wo christliches Blut im Glauben fliesst, dort ist auch der Glaube am wachsen. Die Hoffnung dürfen wird Gotteskinder nie aufgeben. Wir müssen das Salz der Erde sein, denn wenn es fahl wird…
conservare sagte
Danke, diesen Begriff von Johannes Paul II. kannte ich noch gar nicht.
Ja – anpacken. Ich denke die Fastenzeit kann uns Christen in dieser Hinsicht eine sehr hilfreiche und gnadenreiche Zeit sein…
ist es doch die Zeit der Buße aber auch der Nüchternheit und der Versöhnung mit Gott.