CONSERVARE

… Salz der Erde

Die Adventszeit in der Kindheit

Posted by conservare - 07/12/2009

Alipius stellt die Frage: Was war für Euch das Prägende an der Adventszeit, als Ihr noch kleiner wart?

Die Adventszeit war in meiner Kindheit immer etwas ganz Besonderes, weil sie wie kaum eine andere Zeit alle Sinne bereicherte und auch beanspruchte. Das fing schon mit dem Plätzchenbacken an – schließlich musste man diese auf ihren Geschmack hin überprüfen und bewertend einordnen. Die sogenannten „Terassenplätzchen“ waren damals die absoluten Favoriten. Jeden Tag nach dem Backen ging ich in das elterliche Schlafzimmer und öffnete die große Keksdose um zu testen ob die Kekse schon weich geworden sind. Ein guter Test konnte nur mit mehreren Stichproben professionell abgeschlossen werden. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter mit den Jahren die Keksdosen immer besser versteckte, aber ich kam ihr immer auf die Schliche :-).

Der Nikolaustag war der erste Höhepunkt und ich will einmal erzählen warum: Als ich wirklich noch ganz klein war, gab es bei uns den Brauch am Nikolaus-Vorabend einen Stiefel vor die Türe zu stellen und darauf zu hoffen das der Nikolaus diesen mit allerlei Süßkram befüllte. Ich wusste damals noch nicht, dass mein Vater sich mitten in der Nacht oder wahlweise ganz früh nach draußen schlich um meinen kleinen türkisgrünen Gummistiefel mit Schokolade, Nüssen und Mandarinen zu füllen. So erwachte ich am nächsten Morgen in voller Spannung und eilte zur Haustüre, bis mir jemand aufsperrte und ich den Stiefel hereinholen konnte. Ich staunte – wie immer – nicht schlecht als ich ihn auch diesmal wieder gefüllt bis zum Rande vorfand. Das war der eigentliche „Zauber“ zum Nikolaus-Tag. Nicht die Qualität und der Geschmack der Schokolade, sondern einfach nur diese staunenswerte Tatsache, dass der Stiefel voll war, obwohl es nach meiner kindlichen Logik keine Anzeichen gab, dass ihn jemand füllte. Außer natürlich der echte Nikolaus. Das war für mich das Größte an diesem Feiertag.

Aber mal abgesehen vom kulinarischen Aspekt – die Adventszeit war immer auch die Zeit um einen prächtigen Christbaum aus dem Wald zu holen. Ich liebte es zusammen mit meinem Vater und meinen Brüdern eine sattgrüne und schön gewachsene Tanne im großen Wald zu suchen. Gleichzeitig sammelten wir eine Tüte voll Moos für den Untergrund der Krippe. Der jeweils für gut befundene Tannenbaum durfte Huckepack auf dem Rücken meines Vaters spielen und zu Hause hingen wir ihn auf. Ab da konnte ich es nie erwarten, bis der Tag kam an dem er aufgestellt und geschmückt wurde. Die Zeit bis dahin vertrieben wir uns mit dem Besuchen der verschiedenen Weihnachtsmärkte und dem Begutachten der vielen Krippen, die es jedes Jahr in Bamberg gab und auch heute noch gibt. Wir besuchten eifrig die Kirche und ich war immer ganz beeindruckt von den schönen Liedern (Macht hoch die Tür, Es kommt ein Schiff geladen). Meine Eltern gingen dann kurz vor Weihnachten zur Beichte und ich sah mir dabei die große Adventskrippe in der Kirche an und redete ‚aus Spiel‘ mit der Marienfigur.

Wenn ich ansonsten nicht draußen im Schnee spielte, dann war ich im Haus und hörte zu wie Papa Weihnachtslieder auf dem Keyboard einstudierte oder half meiner Mutter die letzte Ladung Plätzchen zu backen. Gebastelt habe ich vor meiner Kindergartenzeit nie, ich war dann schon lieber draußen und baute Schneemänner und zusammen mit meinen Brüdern ein hübsches Iglu.

Fiebrig erwartete ich Weihnachten und spielte in der Küche mit einer Engelsfigur eine Prozession nach. Die letzten Tage vor Weihnachten waren dann aber sehr hibbelig. Meine Mutter schaute zu, dass sie die Geschenke einpacken konnte, bevor ich Wind davon bekam. So wusste ich als Kind tatsächlich nicht, dass im Haus überhaupt Geschenke versteckt waren, obwohl ich ja so eine gute Schnüffelnase war (siehe Plätzchensuche) bin ich nie auf ein unverpacktes Geschenk gestoßen. Dann war es so weit: Der Morgen vor dem Heiligen Abend kam und die ganze Familie stand um den Christbaum herum und schmückte ihn. Die Girlanden machten mir besonders viel Spaß und das kleine Jesuskind legte ich behutsam in die Futterkrippe. Diese Aufgabe war stets mir anvertraut. Mein Bruder kümmerte sich immer um das Hirtenfeuer und so hatte jeder seine Aufgabe. Auf den Abend zu wurde es für mich immer unerträglicher. Ich durfte ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr das Wohnzimmer betreten, obwohl durch die gemaserte Glastür so schöne Lichter funkelten. Meine Mutter sagte: „Da ist jetzt das Christkind drin und legt dir Geschenke unter den Baum“. Ich glaubte es. Es gab nie einen Zweifel für mich, dass es nicht so sein könnte. Ich glaubte das alles genau so, wie jemand glaubt das der 10-Euro Schein in seiner Hand 10 Euro wert ist.

Aus heutiger Sicht fasziniert mich dieses kindliche Glauben. Die Eltern sagen dem Kind etwas und es glaubt einfach. Nie habe ich mich darüber aufgeregt, dass meine Eltern mich damals ein bisschen angeschwindelt haben. Und warum? Weil es an sich keine Lüge war. Das Christkind ist ja wirklich gekommen und es hat mir etwas geschenkt, es hat uns allen etwas geschenkt.

Ich bin außerordentlich froh und dankbar, dass ich diese Zeit jetzt wieder als Christ und als Erwachsene erleben darf. Zu meiner Heiden und Atheisten -Zeit war mir dieser Jahresabschnitt besonders verhasst.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: