CONSERVARE

… Salz der Erde

Archive for Februar 2010

Hirtenbrief zur Fastenzeit 2010

Posted by conservare - 27/02/2010

Liebe Mitchristen! An jedem ersten Fastensonntag wird das Evangelium von der dreimaligen Versuchung Jesu verkündet. Der Teufel will Jesus dazu bringen, ohne Gott zu leben. Der Menschensohn soll zeigen, dass er sich selbst sein Brot verschaffen, ‚eigenmächtig’ und ‚selbstherrlich’ leben kann. ‚Los von Gott! Ich – durch mich selbst, für mich selbst und mit mir selbst’ – das ist das Ziel der Versuchungen Jesu durch den Teufel.

Die Versuchung wegzugehen

Die Evangelien berichten noch von anderen Versuchungen. Nach der „Brotrede“ im Johannesevangelium geben viele der ‚Versuchung’ nach, sich von Jesus zu trennen. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben“ (Joh 6, 51), hatte Jesus seinen Jüngern gesagt. „Was er sagt, ist unerträglich“ (Joh 6, 60), war ihre Reaktion darauf, und sie zogen sich zurück. In dieser Situation sagte Jesus zu den Aposteln: „Wollt auch ihr gehen?“ (Joh 6, 67).

Im Lukasevangelium weist Jesus darauf hin, dass auch nach seinem Tod, im Laufe der Geschichte, viele Situationen eintreten werden, in denen seine Jünger versucht sein werden, sich von Gott und von ihm abzuwenden. „Der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf“ (Lk 22,31), sagt Jesus. Die Versuchung wegzugehen ist ein wichtiges und häufiges Thema im Neuen Testament und in der ganzen Kirchengeschichte.

Derzeit gibt es viele Versuchungen von Gott, Jesus Christus und der Kirche ‚wegzugehen’. Da ist zuerst unser aufgeklärter Wissenshorizont. Wir wissen heute in der Biologie, in der Entwicklungsgeschichte, in der Soziologie und Psychologie viel mehr als alle unsere Vorfahren. Das macht vielen den Glauben an „Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde“ nicht einfach.

Katastrophen, wie zum Beispiel das Erdbeben in Haiti, stellen Versuchungen dar, den Glauben an den guten Gott aufzukündigen. Das unermessliche Leid, das sechs Millionen Juden erlitten haben, lässt fragen: Wo war Gott in Auschwitz, Dachau oder den anderen Konzentrationslagern?

Neben Jesus Christus bieten sich heute auch andere Erlöser und Heilsbringer an. Warum soll nur er allein der Weg, die Wahrheit und das Leben sein?, fragen sich viele. Skandale in der Kirche sind echte Versuchungen, ihr den Rücken zu kehren.

Unsere Situation heute

Dazu kommt die derzeitige Situation der Kirche in Deutschland. Die Christen werden immer weniger. Unsere Erzdiözese verliert jedes Jahr mehrere tausend Katholiken. Diese Zahl kommt zustande durch Abwanderungen aus unserem strukturschwachen Oberfranken, durch die demografische Entwicklung – es sterben mehr Katholiken als getauft werden – und durch die hohe Zahl der Kirchenaustritte.

Die öffentliche Anerkennung und die Mitwirkung der Kirche in der Gesellschaft gehen zurück. Nicht zuletzt nehmen unsere ‚Angebote’ in der Kirche ab. Der Priestermangel bedingt, dass weniger Eucharistiefeiern möglich sind. Die weniger werdenden Priester sind nicht mehr so gut erreichbar. Sie können weniger Besuche machen und Gespräche führen. Unsere Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten können auch nicht alles abdecken, was gefordert wird und wünschenswert wäre.

Die Zahl der Ordensfrauen nimmt dramatisch ab. Wir können weder die hauptamtlichen Personen noch die Angebote vermehren, denn auch die Finanzmittel werden geringer. Auch die Zahl der Ehrenamtlichen wird bei abnehmender Katholikenzahl kleiner. Wir befinden uns als Kirche in einer tiefen Krise, die Teil einer Gesellschafts- und Kulturkrise ist. In all dem steckt die Versuchung, Gott, Jesus Christus und der Kirche den Rücken zuzukehren.

Der Versuchung widerstehen

Die Versuchungsgeschichte am Beginn der Fastenzeit ist eine Einladung, dem „los von Gott, los von Jesus Christus, los von der Kirche“ nicht nachzugeben. Sie ist eine Aufforderung, dabei zu bleiben, aktiv mitzuwirken und Kirche mitzugestalten.

Dafür gibt es auch viele gute Gründe. Bei allen Fehlern und Sünden, bei allen Schwierigkeiten und Schwächen haben die Christen und die Kirche für unsere Kultur und Gesellschaft Hervorragendes geleistet und tun es auch heute. Denken Sie an die Gottesdienste, die dem Leben Freude und Kraft, Trost und Zuversicht geben.

Die Verkündigung des Evangeliums im Schulunterricht und in den Pfarreien fördert das Gemeinwohl durch Wertevermittlung, durch religiöse und soziale Bildung. Die Kirche hat unseren Städten und Dörfern die wichtigsten Kirchen und Kulturgüter geschenkt. Unser Gemeinwohl und die soziale Ordnung, die Bildungseinrichtungen – Kindergärten, Schulen und Universitäten – sind ohne die Kirche nicht zu denken. Die kirchlichen Krankenhäuser, Sozialstationen, Seniorenheime und Behinderteneinrichtungen sind ein Segen für unsere Gesellschaft.

Christus ist Heil und Leben

Vor allem aber hat die Kirche den Menschen Jesus Christus gebracht. Wir wissen von IHM, wer Gott ist und wie er handelt. Das Evangelium gibt uns Hoffnung, dass unser Leben und die Geschichte gut ausgehen. Jesus fordert uns auf, den Nächsten zu lieben wie uns selbst. Wenn der Mensch bei Jesus Christus ist, hat er die Kraft, das Gute zu tun und das Böse zu überwinden. Bei Jesus bleiben, darum geht es letztlich in der Kirche. Mit ihm leben, sterben und auferstehen, das ist unser Glaube, Christsein und Kirche.

Es gibt viele Anlässe, von der Kirche wegzugehen, aber noch mehr Gründe zu bleiben, vor allem einen: Jesus Christus, von dem Petrus bekennt: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6, 68).

Liebe Mitchristen!

Ich bitte Sie, die kommende Fastenzeit zu nutzen, um nachzudenken über Jesus Christus und das Evangelium. Informieren Sie sich auch objektiv über die Geschichte der Kirche. Machen Sie sich bewusst, was die Kirche heute für die Menschen und die Gesellschaft Gutes einbringt.

Bleiben Sie bei Gott, bei Jesus und seiner Kirche! Seien Sie aktive Glieder der Kirche! Die Kirche muss sich immer wieder erneuern. Wer dabei mitwirkt, erfährt den Mehrwert des Glaubens und erkennt den Sinn der Kirche. Ich bitte Sie, am 7. März zu den Pfarrgemeinderatswahlen zu gehen. Denken Sie in Ihren Pfarreien mit, wie trotz weniger Katholiken, weniger Kirchenbesuchern, weniger Priestern und hauptamtlichen Mitarbeitern das kirchliche Leben lebendig bleiben kann.

Beten und werben Sie für die kirchlichen Berufe. Wirken Sie auch in Ihrem Umfeld missionarisch. Zeigen Sie, dass Sie zur Kirche gehören und bekennen Sie, warum Ihnen das wichtig ist. Ich möchte Sie auch bitten, beweglich zu sein und am Sonntag die Eucharistie zu besuchen, auch wenn sie nicht im eigenen Ort stattfindet. Wer wirklich keine heilige Messe besuchen kann, der soll eine Wort-Gottes-Feier mitfeiern. Stärken Sie die Kirche durch Ihr Bleiben und Mittun! In ihr wird Jesus Christus erfahren. In ihm ist Leben und Heil.

Ich wünsche allen Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren eine besinnliche Fastenzeit 2010. Sie soll das Ja zu Gott, zu Jesus Christus und zur Kirche stärken. Die Antwort des Petrus an Jesus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6, 68), möge auch Ihre Antwort sein.

Dazu segne Sie der gute Gott, + der Vater und + der Sohn und + der Heilige Geist.

Ihr Bischof Ludwig Schick
Erzbischof von Bamberg

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Er trägt die Fesseln in Freiheit

Posted by conservare - 25/02/2010

Gregorio Fernandez - gegeißelter Heiland

Gregorio Fernandez - gegeißelter Heiland

Das ist nicht die Freiheit,
die wir suchen –
angebunden zu sein
mit Stricken
und Ketten
an Händen
an Armen
und um den Hals.

Angebunden wie das Vieh im Stall,
mit einer schweren Kette
um den Hals,
leicht nach vorne gebeugt.

Zu alldem schweigt er.
Wie ein Lamm, das man zum
Schlachten führt,
und wie ein Schaf angesichts seiner
Scherer,
so tut er den Mund nicht auf.
Warum?
Weil er angebunden frei ist;
weil er geschlagen ungeschlagen bleibt;
weil er mit unserer Schuld beladen
ohne Sünde ist.

Er nimmt an;
darum ist er frei.
Wir lehnen ab,
lehnen uns auf,
weigern uns anzunehmen.
Darum sind wir unfrei.

Frei ist nicht der Ungebundene,
frei ist der Liebende.
Der Liebende vermag auch Fesseln
zu tragen,
wenn sie dem Geliebten zum Heil sind.

Er trägt die Fesseln in Freiheit.
Er reißt sich nicht los.
Er nimmt sie an,
um die zu lösen,
die in Wahrheit gebunden sind,
deren Blick nicht mehr frei ist,
die dem anderen nicht mehr ins Auge
schauen können,
weil Frevel an ihren Händen klebt.

_____________

Gebet:

Du gebundener Heiland,
du Löser unserer Schuld,
befreie uns von den Fesseln,
die uns binden,
und sprich uns frei von unseren Sünden,
damit wir frei werden,
uns binden zu lassen,
um Lösedienst in dieser Welt zu leisten,
indem wir statt zu hassen
lieben lernen,
so wie du uns liebst. Amen.

_____________

Text: Peter Sigmund

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24 Stunden

Posted by conservare - 23/02/2010

AKTUELL:

Ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich hier geschrieben habe, so stehen bleiben kann. Die aktuellen Entwicklungen in diesem Fall sind sehr verwirrend und ich habe jetzt ein ungutes Gefühl. Mal sehen was noch raus kommt.

Streitfall Missbrauch – Katholische Kirche wehrt sich gegen Vorwürfe der Bundesjustizministerin (© KNA)

Zollitsch setzt Leutheusser-Schnarrenberg 24-Stunden-Ultimatum

Was musste ich da lesen und sehen, als ich nach einem lang durchplagten Tag das Fenster ins Internet öffnete?

Ich muss gestehen, ich traute meinen Augen kaum.

Das, was Erzbischof Robert Zollitsch heute verlautbaren ließ, ist das, was man durchaus unter einer „Christlichen Kulturerneuerung“ verstehen kann. Zumindest ist es meiner Meinung nach ein guter Anfang. Zwar auf der hierarchischen Ebene der kirchlichen Ämter, aber gerade das scheint guter Zunder zu sein. Offenbar hat auch niemand damit gerechnet – was natürlich um so mehr wie ein Blitz einschlägt. Und gerade reicht es eben auch aus, dass ein Bischof in Deutschland das Wort „Katholisch“ ohne Abneigung ausspricht. Als nächster Schritt wäre es doch sehr gut, die Widerrufung der Königsteiner Erklärung innerhalb von 24 Stunden zu fordern. Ja, da wäre ich mit dabei!

Was kann ich noch mehr dazu sagen, als: Gelobt sei Jesus Christus!

Christus ist der Retter und Erlöser aller Menschen, auch der Deutschen und keine Kirche bringt uns Gott so nahe, als seine eigene Kirche, auch in Deutschland.

In Ewigkeit. Amen.

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Können wir das Ruder noch herumreißen?

Posted by conservare - 21/02/2010

Um was geht es in dieser Umfrage?

Die erste Umfrage behandelte die Frage nach dem Bedarf einer allgemeinen Umkehr zur christlichen Kultur. Die nächste Umfrage zum gleichen Thema handelt über die Möglichkeit einer Umkehr und über die Machbarkeit einer großflächigen Evangelisierung, die dann im Idealfall das Ruder noch einmal herumreißen kann, damit wir von einer Kultur des Todes zu einer Kultur des Lebens kommen.

Einige Christen tragen die große Hoffnung in sich, dass man das „christliche Abendland“ noch retten könne, sofern man den eigenen Glauben erneuert, selber umkehrt und zum Bekenner wird. Durch ein rechtschaffenes Leben vor Gott bestünde die Möglichkeit als gutes Beispiel voran zu gehen, um somit wieder eine Gesellschaft nach christlichen Werten aufzubauen. Man müsse sich dann natürlich auch in der Politik einbringen und überall Christus in den Mittelpunkt stellen, sei es in der Schule oder auf der Arbeit. Diese Aussicht käme jener Erweckung gleich, die man nach dem 2. Konzil in Form eines zweiten Pfingsten erwartete und welche alle Christen aufrütteln sollte. „Weg von der Volkskirche, hin zur Bekennerkirche“ hieß es damals noch.

Wieder andere Christen hegen eine ähnliche Hoffnung, sehen aber vor sich einen großen Berg, den es da zu überwinden gilt und dies wäre wohl nicht ohne Vergießen von Märtyrerblut möglich. Jene sehen demgemäß schreckliche Ereignisse vor sich liegen, aber mit Blick auf dem danach erhofften Aufschwung des Christentums, könne man einigermaßen positiv in die Zukunft blicken.

Und so weiter…

Es gibt dazu wirklich die verschiedensten Auffassungen und ich möchte diese nicht mit Worten wie „optimistisch“ oder „pessimistisch“ bewerten, sondern vielmehr wunder ich mich über diese Bandbreite an Aussichten für das christliche Abendland. Es ist ja wirklich alles dabei – vom Wiederaufbau bis hin zum totalen Untergang. Mir geht es hier jetzt auch weniger um gute Hoffnung versus böse Realität, sondern mir geht es um das Gesamtbild. Hoffnung bedeutet nicht nur, dass man die Aussicht darauf hat in diesem Leben noch ein tolles christliches Land zu erleben, sondern Hoffnung kann auch jene auf die Wiederkunft des Herrn sein.

Ich bin wieder einmal sehr auf die Ergebnisse gespannt und bedanke mich schon einmal für eure Teilnahme!

PS: Die erste Umfrage ist immer noch offen.

PPS: Langsam macht mir das Spaß. WordPress hat so ein tolles Umfrage-Tool und man fühlt sich doch richtig „interaktiv“ 😀 außerdem ist es interessant zu wissen, in welche Richtung die Meinungen meiner Leser gehen. Ich werde das auf jeden Fall fortführen.

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Brauchen wir eine christliche Kulturrevolution?

Posted by conservare - 20/02/2010

Um was geht es in dieser Umfrage?

Ich weiß, es ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt während der Fastentage eine Umfrage zu starten. Viele Leute schränken ja gerade jetzt ihre Aktivität im Internet ein. Trotzdem komme ich irgendwie nicht drum herum (auch durch Elsas heutigem Beitrag inspiriert) eine etwas größere Umfrage zu starten. Um die ganze Aktion ein bisschen auszudehnen, eröffne ich demnächst eine neue Unterseite in der obigen Spalte namens: Umfragen. Dort bringe ich dann alle Umfragen unter, die sich im Laufe der Zeit hier ansammeln werden.

Wie es die Überschrift vermuten lässt, geht es mir in meiner ersten Umfrage um die christliche Kulturrevolution. Wer mit diesem Begriff nichts weiter anzufangen weiß, der sei auf die zahlreichen Beiträge auf Gloria.tv und kathtube.com mit Gabriele Kuby, Christa Meves, Weihbischof Laun und Alexandra Maria Linder verwiesen. Besonders bei Christa Meves und Gabriele Kuby finden wir am meisten den Gedanken der christlichen Kulturrevolution investiert. Beide Frauen sind Mütter. Beide veröffentlichen Bücher, Broschüren, Organisationen und Artikel nahezu am laufenden Band und beide sind wissenschaftlich sehr engagiert und – was noch wichtiger ist – informiert. Frau Kuby als Soziologin und Frau Meves als Psychologin. Alexandra Maria Linder dürfte für Viele aus der Pro Life-Bewegung eine bekannte Persönlichkeit sein. Nicht zuletzt durch das Buch „Geschäft Abtreibung“. Den Salzburger Weihbischof Laun kennt wohl auch jeder, der regelmäßig die Nachrichten auf kath.net verfolgt. So viel ich weiß, wurde dieser Begriff auch auf den zahlreichen Treffpunkten von „Kirche in Not“ verbreitet. Wer will, kann sich also im Handumdrehen mit allem, was damit zu tun hat, vertraut machen. Material dazu gibt es im Internet wirklich haufenweise.

Die Probleme unserer Gesellschaft und der aktuell vorherrschenden Kultur, auf die die christliche Kulturrevolution die Antwort sein soll, kennen eigentlich alle Christen. Sofern sie mit offenen Augen durch die Welt gehen. Es sind hauptsächlich – um es kurz anzureißen – die Merkmale einer Kultur des Todes: Frühsexualisierung der Kinder; flächendeckender Einsatz von chemischen und technischen Verhütungsmitteln; die Zerstörung der Ehe und der Familie; die großflächige Sexualisierung der gesamten Gesellschaft und als Konsequenz daraus die Abtreibung sowie aus deren Konsequenz heraus die Euthanasie. In aller Munde ist auch bereits die demographische Krise, die vor den Türen einiger europäischer Länder steht.

Man könnte sagen, dass eine christliche Kulturrevolution die logische Folge sein muss, da all diese Kennzeichen einer Kultur des Todes größtenteils in einer Zeit auftauchten, als die Gesellschaft immer gottloser oder religiös uninteressierter und lauer wurde. Damit sind nicht nur die letzten 40 Jahre gemeint! Wer die Geschichte Deutschlands zurückverfolgt, wird unweigerlich feststellen, dass der massenhafte Abfall vom Glauben schon im 18. Jahrhundert quasi vorprogrammiert war. Menschenfeindliche Ideologien gärten in der gefallenen Menschennatur ja schon immer, auch lange vor dem 18. Jahrhundert. Aber diese Zeit sehe ich gerade im Bezug auf Deutschland und eigentlich auf ganz Europa in der Rolle als „Samenspender“ für die menschenverachtenden Auswüchse in der Moderne und in der Postmoderne. Viele heutige Ideologien finden ihren Nährboden in weit zurückreichende Jahrhunderte, teils auch in der Antike. Aber ich denke wir müssen gar nicht bis zum goldenen Kalb oder bis zur Anbetung des kinderfressenden Molech zurück gehen. Wir wissen ja, wie der Tod in die Welt kam.

Gehen wir jetzt also davon aus, dass die heutige Gottlosigkeit aus einem schleichenden Prozess über die Jahrhunderte verteilt hervorgegangen ist, stellt sich nun die Frage: Wenn diese Entchristlichung schon so lange gedauert hat, lohnt es sich dann überhaupt jetzt erst zu versuchen, das Ruder herumzureißen? Soll man nicht lieber der Geschichte ihren Lauf lassen und warten, bis die Stunde der Christen erneut schlägt? Oder soll man einen mühsamen, langen und ungewissen Weg beschreiten, um eine Gegenkultur – also eine Kultur des Lebens basierend auf dem christlichen Menschenbild – aufzubauen? Ist eine Kulturrevolution möglich, wenn man bei sich selber anfängt und sein Leben betend nach den Geboten Gottes ausrichtet?

Und hier möchte ich eure Meinung wissen. Ich hoffe auf rege Teilnahme.

EDIT:

Weil es beim Wort ‚Kulturrevolution‘ im Zusammenhang mit dem Wort ‚christlich‘ einige Probleme gab, möchte ich den Begriff jetzt erst einmal meiden.

Zwar ist das Wort ‚Revolution‘ sehr herausfordernd und prägnant, aber im oben genannten Zusammenhang bedarf es scheinbar einer größeren Erklärung und ich finde das viel zu kompliziert. Warum also nicht einfach selbsterklärend. Mal sehen.

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Wie sinnvoll ist Internet-Fasten?

Posted by conservare - 18/02/2010

Mir ist aufgefallen, dass das Internet-Fasten bei mir überhaupt nicht sinnvoll ist, weil ich a) sowieso mit dem PC arbeiten muss und b) gerade die Fastenzeit eine Hochkonjunktur einläutet, in der die Menschen da draußen vermehrt das Internet nach christlichen Bräuchen ect. durchsuchen. Also ist es meines Erachtens ein falsches Zeichen für das Internet-Apostolat, um welches uns der Heilige Vater anhält, wenn ich mich nun komplett zurück ziehen würde. Noch dazu in so einer hellen medialen Aufregung rund um den Zölibat und der Kindesmissbräuche.

Ist es nicht so, dass das Fastenopfer richtig weh tun muss? Ist es nicht so, dass Gott mehr tiefgehendes Fasten als oberflächliches Fasten verlangt? Vielleicht ist es für manche Christen ja ein sehr tiefgehendes Opfer, auf ihre Scheuklappen – durch die sie ihr Leben angenehmer empfinden – zu verzichten? Schließlich muss man doch die Augen aufmachen um zu sehen. Und man muss den Heiligen Geist um die Gnade der Erkenntnis bitten. Nur so können wir erkennen, wie tief die Menschheit incl. das eigene Ego gesunken ist und wie weit sie von Gott abgefallen ist. Erneuerung und Reform setzt diese Erkenntnis, die in erster Linie eine Selbsterkenntnis sein muss, voraus. Die wichtigste Frage dazu muss sein: wie stehe ich vor Gott da; wie sehen mich die Augen Gottes? Das sind die ersten Eckpfeiler, um den eigenen Standpunkt ausmachen zu können. Erst wenn wir den verklärten Schleier lüften, sehen wir unsere Seele mit Schmutzflecken übersät. Dann heißt es, die Sünden, die man durch das Licht Gottes er-kannt hat auch zu bereuen und zu be-kennen. Die Buße und die Sühne müssen hinzukommen. Unbedingt.

Unseren Stolz müssen wir in Sack und Asche hüllen, um ihn zu erniedrigen. Wir müssen unseren Egoismus vom Thron stürzen und Jesus Christus darauf Platz nehmen lassen. Unser Herz müssen wir zerreißen um der Liebe Gottes willen!

Geht das alles besser, in dem man am Gebrauch des Internets spart? Ich denke da gilt es zu differenzieren zwischen dem sinnvollen und dem rein egoistischen oder gar süchtigmachenden Gebrauch.

Was ist ein sinnvoller Internet-Gebrauch? Na zum Beispiel das Lesen von katholischen Online-Nachrichten. Aber auch der Austausch mit Chat-Freunden, denn diese sind – nur weil sie weiter weg wohnen – nicht weniger Mensch als der Nachbar und auch sie haben Probleme, die man sich anhören sollte.

Das Apostolat im Internet ist ebenso sinnvoll wie wichtig – nicht für unser Ego, sondern für die Menschen in der Welt und somit auch für den Auftrag unseres Herrn. Im Apostolat sollte man nicht fasten, sondern wuchern. Ich denke nicht, dass Mutter Teresa in der Fastenzeit auf ihre Berufung verzichtet hat, um es einmal krass auszudrücken. Nun gibt es aber Menschen, die einen Teil ihrer Berufung im Internet-Apostolat sehen und diese Berufenen sind zahlreich. Gerade diese sollten in der sinnvollen Arbeit nicht fasten, sondern die Arbeit durch die erneuerte Gebetspraxis intensivieren, konkretisieren und somit frisch, fromm und fröhlich in den Dienst Gottes stellen.

Allerdings bin ich – wie schon angedeutet – weit davon entfernt das Internet-Fasten gänzlich abzukanzeln. Nein, es muss verhältnismäßig gesehen werden. Es gibt eben auch Christen, die so lange im Internet sind, dass sie ihre Gebete vernachlässigen und gleichsam von einer Sucht ergriffen wie gebannt vor der Kiste hocken. Hier gilt es ganz klar Verzicht zu üben. Selbiges gilt auch immer noch für das Fernsehen, auch wenn K-TV und EWTN so gute Beiträge bringen. Es kann jedoch sinnvoll sein, die wichtigsten Sendungen zu notieren um gezielt das Fernsehen nutzen zu können. Wir sollen die Güter dieser Erde uns untertan machen und nicht umgekehrt. So ist es durchaus möglich durch Internet und Fernsehen (vorausgesetzt sind die richtigen Sender und Webseiten) die Bildung im Glauben zu verbessern und sich zur Umkehr anregen zu lassen.

Da ich schon vom Konkretisieren gesprochen habe: Es ist gut, möglichst konkret zu werden um somit nicht den ganzen Tag im Internet verbringen zu müssen, weil man zu lange um den heißen Brei herum geredet und damit Unklarheiten heraufbeschworen hat. Wann gelingt so ein Umbruch, so eine Umkehr denn besser, als zur Fastenzeit? Ein mal bitte alles auf „Werkseinstellung: Taufe“ stellen. Ein paar Tage wirklich mal aufs Net verzichten und allein auf die Stimme Gottes lauschen, kann einen wahren Wandel im eigenen Internet-Auftritt bewirken. Online ist man im Idealfall ja immer nur mit GOTT. Laden wir Ihn jedes mal dazu ein?

Das ist Fasten fürs Internet-Apostolat: Reform der Arbeitseinteilung. Erneuerung des Auftretens und den unverzichtbaren Vorsatz alles nur für Gott, durch Gott und mit Gott machen zu wollen.

40 Tage gar nichts mehr von sich zu geben, ist wohl wirklich nur für jene Menschen geeignet, die ihre Berufung nicht unbedingt darin sehen, die Kirche im Internet zu verbreiten, sondern eben wo anders. Letztendlich ist es immer das gleiche Ziel, egal welchen Weg wir nach der Vorsehung Gottes einschlagen müssen.

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Fastenzeit = mehr Zeit für Gott

Posted by conservare - 17/02/2010

Fastenpredigt von Pater Deneke

Evangelium nach Matthäus 6,1-6.16-18.
Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst, laß es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.
Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, daß sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,
damit die Leute nicht merken, daß du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Psalm 51

1 [Für den Chormeister. Ein Psalm Davids,
2 als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem sich David mit Batseba vergangen hatte.]
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, / tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
4 Wasch meine Schuld von mir ab / und mach mich rein von meiner Sünde!
5 Denn ich erkenne meine bösen Taten, / meine Sünde steht mir immer vor Augen.
6 Gegen dich allein habe ich gesündigt, / ich habe getan, was dir missfällt. So behältst du recht mit deinem Urteil, / rein stehst du da als Richter.
7 Denn ich bin in Schuld geboren; / in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.
8 Lauterer Sinn im Verborgenen gefällt dir, / im Geheimen lehrst du mich Weisheit.
9 Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; / wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.
10 Sättige mich mit Entzücken und Freude! / Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast.
11 Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, / tilge all meine Frevel!
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz / und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht / und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!
14 Mach mich wieder froh mit deinem Heil / mit einem willigen Geist rüste mich aus!
15 Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege / und die Sünder kehren um zu dir.
16 Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles, / dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.
17 Herr, öffne mir die Lippen / und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden.
18 Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben; / an Brandopfern hast du kein Gefallen.
19 Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, / ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.
20 In deiner Huld tu Gutes an Zion; / bau die Mauern Jerusalems wieder auf!
21 Dann hast du Freude an rechten Opfern, / an Brandopfern und Ganzopfern, / dann opfert man Stiere auf deinem Altar.

In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern eine gute, bußfertige und segensreiche Fastenzeit! Auf dass es eine Zeit der radikalen Umkehr zu Gott wird und wir unsere Vorsätze mit der Gnade Gottes ausführen und durchhalten können.

Zur Fastenzeit schränke ich meinen Internet-Konsum drastisch ein. Das heißt, es werden hier zwar ab und zu ein paar Beiträge eintrudeln, aber diese sind dann meistens besinnlicher Natur und um einer Einschränkung gerecht zu werden, sehr kurz gehalten. Ich hoffe, meine Vorsätze sind dieses Jahr nicht zu hoch gesetzt :-). Für mich heißt es dieses Jahr: Fastenzeit = mehr Zeit für Gott. Fastenzeit = den Kampf gegen das eigene unwillige Fleisch neu aufnehmen.

Gottes Segen euch allen!

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Bedenke Mensch, dass du Staub bist

Posted by conservare - 16/02/2010

Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst (Genesis 3,19)

Kehrt um und glaubt an das Evangelium! (Markus 1,15)

Und daher kommt unser Brauch des Aschenkreuzes:

Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche.“
Jon 3,6

Ich richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, um ihn mit Gebet und Flehen, bei Fasten in Sack und Asche, zu bitten.“
Dan 9,3

Morgen ist es also wieder so weit – Aschermittwoch – Beginn der Fastenzeit.
Irgendwie freue ich mich darauf. Ich weiß nicht warum, aber die vorösterliche Fastenzeit, die mit dem Austeilen des Aschenkreuzes eingeläutet wird, ist mir lieber als die adventliche Fastenzeit. Endlich kann man mal wieder mit einem objektiv guten Grund kollektiv Buße tun und am Reinigungsprozess der eigenen Person und der Kirche mitwirken. Ist das nicht wunderbar? Und dann noch die Kreuzweg-Andachten; die Kreuzweg-Prozessionen; die Fastenpredigten; die Exerzitien… das sind sehr nützliche und besinnliche Hilfsmittel in diesen kargen 40 Tagen der Stille, der Buße, des Opfers und der Umkehr.

Was macht man sonst noch in diesen Tagen? Viel beten; in der Bibel lesen; Buß-Psalmen beten; sämtlichen Konsum reduzieren; viel spenden; Palmzweige sammeln (jetzt noch nicht ;-)); schweigen; gute geistliche Lektüre lesen oder auch die „Lectio Divina“ üben… ach es gibt beinahe so viel zu tun, dass es eigentlich keine karge, sondern eine reiche Fastenzeit ist. Wie soll man da zur Ruhe kommen? Vielleicht ist es ganz sinnvoll, sich nur begrenzt diverse Aktionen vorzunehmen. Wir Menschen sind doch immer ganz gut darin, durch übermäßiges Tun uns selbst zu übertünchen. Ehe man sich dann versieht, sitzt man zur Osternacht mit dem gleichen Ego in der Kirche, wie vor der Fastenzeit. Dabei sollen wir doch mit Christus leiden, sterben und an Ostern auferstehen. So wie letztes Jahr will ich nicht mehr „enden“ und deswegen möchte ich mir in jeder Fasten-Woche mindestens 2 Tage der absoluten Spärlichkeit und Ruhe einrichten, um auf Gottes Stimme zu „hören“. Denn wie oft kommt es vor, dass ich Ihn mit einem Redeschwall niederbügel, bis ich Ihm gegenüber ganz taub und blind bin. In der Stille lernt man das Hören und den Gehorsam. Im Lärm und im Trubel wird man taub und stumpfsinnig. Dieser Lärm, den man meistens ja selbst um sich herum zu verantworten hat, macht mich nicht zuletzt auch taub gegenüber meiner Mitmenschen. Also heißt es für mich dieses Jahr: In der Ruhe liegt die Kraft um gegen das schnatterhafte Ego bestehen zu können.

___________________

Siehe, o guter und lieber Jesus, vor deinem Angesicht werfe ich mich
auf die Knie nieder und bitte dich, aus tiefer Seele flehend: Präge
meinem Herzen ein den lebendigen Geist des Glaubens, der Hoffnung
und der Liebe, eine wahre Reue über meine Sünden und den festen
Willen, mich zu bessern. Mit innigem Mitleid und tiefem Schmerze
schaue ich auf deine fünf Wunden und erwäge dabei, was der Prophet
David von dir, o guter Jesus, geweissagt hat: Sie haben meine Hände
und meine Füße durchbohrt; sie haben alle meine Gebeine gezählt.

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Das negative Recht in doppelter Verneinung

Posted by conservare - 15/02/2010

Rein rechtlich gesehen gibt es nicht nur die Religionsfreiheit, sondern man unterscheidet zwischen der positiven und der negativen Religionsfreiheit. Die positive Religionsfreiheit bedeutet zum Beispiel für uns Christen, dass wir ein Recht auf freie Ausübung unserer Religion haben. Die negative Religionsfreiheit bedeutet dahingegen für einen Atheisten, dass er das Recht hat, keine Religion auszuführen. Das heißt, ein Atheist hat das Recht darauf sein Leben möglichst unbehelligt von irgendeiner Religion zu führen. Dass sich diese zwei Punkte in der zwiespältigen Rechtsprechung aneinander reiben und sich einen regelrechten Kampf zwischen den Fronten liefern, ist also nur konsequent und logisch. Zu wessen Gunsten die Religionsfreiheit ausgelegt wird, kommt letztendlich wohl auf den jeweiligen Richter und den Staatsanwalt an. Beispiele kennen wir aus Irland und Italien ja inzwischen genug.

Es gibt aber auch das positive und das negative Recht auf Reproduktion, was ein natürliches Menschenrecht ist. Konkret heißt das, ein Mensch – vorzugsweise weiblichen Geschlechts – hat das Recht auf Nachkommenschaft, aber in umgekehrter Weise hat die Frau auch das negative Recht, die Zeugung eines Kindes zu verweigern. Der Mann natürlich ebenso.
Nun, eigentlich würde doch jeder halbwegs durchschnittlich denkende Mensch davon ausgehen, dass es normal ist, einen Menschen nicht dazu zu zwingen Kinder zu zeugen. Also hat man die Freiheit mit seinem Partner den geschlechtlichen Verkehr zur fruchtbaren Zeit zu vollziehen oder nicht. Der Casus Knacktus ist der, dass weder die EU noch die Minderheit, der wir die Sexualisierung der letzten Jahrzehnte zu verdanken haben, so denkt. Diese denken da schon „weiter“ und verlangen eine Ausweitung dieses negativen Reproduktionsrechtes dahingehend, dass man bereits gezeugtes Leben im Innern des Mutterleibes töten darf, wenn man es nicht austragen möchte. Hier wird also das negative Recht auf Reproduktion doppelt verneint. Man will nicht nur kein Kind zeugen, sondern man will das Kind, welches „aus Versehen“ gezeugt wurde, auch noch mit Berufung auf das negative Recht umbringen lassen. Härtefälle wie Vergewaltigung, Lebensbedrohung der Mutter oder Inzest sind da nicht berücksichtigt, weil diese Gründe als Angabe bei einer Abtreibung statistisch sehr gering sind. In den USA sind es wohl 2%. Das kann doch bitteschön keine Grundlage für ein Recht auf Kindstötung sein!

Darüber sollte man angesichts solcher Nachrichten einmal nachdenken: EU-Parlament fordert ungehinderten Zugang zur Abtreibung

Was man hier vor hat, ist nicht die einfache sozial/finanzielle Gleichstellung von Mann und Frau, etwa im Beruf oder in der Steuerklasse. Nein, es geht tatsächlich darum, Mann und Frau biologisch gleichzustellen. In der Realität sieht das so aus, dass die Frau das gleiche Recht wie der Mann bekommen soll, Sex zu haben ohne dabei schwanger zu werden. Deswegen soll die Abtreibung auch ungehindert zugänglich sein und zum Recht werden. Denn eine promiskuitive Frau ist nach dieser Logik einem promiskuitiven Mann gegenüber klar benachteiligt. Wird sie nämlich trotz Kondom und Pille einmal schwanger – was ja nicht gerade selten vorkommt – hat die Frau die berühmt berüchtigte A-Karte als Alleinerziehende gezogen. Dass man mit solchen Ideen aber die Männer dazu anheizt, noch mehr Frauen zu verheizen und noch mehr Frauen wie einen Gegenstand zu behandeln, scheint den sogenannten Feministinnen nicht zu stören. Ist die Frau erst einmal ihrer Fruchtbarkeit beraubt, ist sie ja auch tagtäglich verfügbar, genau wie in einer homosexuellen Beziehung.

Ich höre schon die alten Männer in der EU schreien: Heureka, endlich steht der absolut verantwortungslosen Promiskuität nichts mehr im Wege!

Falls es jemanden interessiert, Promiskuität kann unter anderem ein psychischer Folgeschaden von sexuellem Missbrauch oder Verwahrlosung in der Kindheit sein und ist somit eine Persönlichkeitsstörung.

Aus den Medien hören wir jedoch, wie gesund es ist, die Triebe auszuleben und wie „gut“ es für die katholischen „Zölibatsgeschädigten“ wäre, wenn sie die Keuschheit und den Zölibat über den Haufen schmeißen. Keuschheit innerhalb der Ehe gibt es ja schon offiziell gar nicht mehr – sie wird seit der unseligen Königsteiner Erklärung nicht einmal mehr von den Ortskirchen verkündigt.

Jetzt wäre die Zeit für die Kirche in Europa, das Ruder herumzureißen! Und wenn Gott keinen Bock mehr auf mit dem Zeitgeist buhlende Geistliche hat, könnte dies sogar die letzte Chance für Deutschland und Europa sein. Im christlichen Sinne, wohlgemerkt. Was aus diesem Kontinent wird, wenn die letzten Christen weg sind, möchte ich mir gar nicht ausmalen.

Jesaja, Kapitel 5

20 Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, / die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, / die das Bittere süß und das Süße bitter machen.

Aber genau deswegen schreibe ich das hier, weil es eben nicht so weit kommen darf! Wir brauchen eine Kultur des Lebens und wenn wir jetzt nicht dafür auf-stehen, wer weiß ob wir dann in naher Zukunft überhaupt noch be-stehen.

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Sich selbst geben ist besser als nur geben

Posted by conservare - 14/02/2010

Evangelium nach Lukas 6,17.20-26.
Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon
Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten.
Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

Es fällt uns Menschen häufig schwer, gerade für dieses heutige Evangelium eine Entsprechung zu finden, um die Botschaft auf unser Leben übertragbar zu machen. Es scheint zu wenige Vorbilder in der wahren Armut zu geben, als dass wir nahe genug an dieses Thema heran kommen könnten, um unser Leben danach aus zu richten. Diese Seligpreisungen kommen uns so welt- und menschenfremd vor, dass man bereits vollkommen sein müsste, um nach dieser Liste selig werden zu können. Unser Denken sieht doch häufig so aus: „Erst einmal muss ich dies und jenes schaffen und dann, ja dann kann ich mich daran machen, selig zu werden nach den Vorgaben des Evangeliums“. Und das ist falsch. Wenn ich nicht mit dem anfange, was mir gerade nahegelegt wurde, werde ich auch nicht da anfangen, wo ich es für sinnvoll halte.

In Wirklichkeit ist es also – wie so oft – ganz anders. Und gerade dieses Evangelium ist für uns so nah wie es nur möglich ist, denn wir finden in diesen Seligpreisungen das Wesenhafte unseres Herrn Jesus Christus – und zwar ganz konkret. Sicher, Gott ist in der ganzen Heiligen Schrift erfahrbar, aber ganz besonders nachahmbar ist der Weg zu Gott durch die Seligpreisungen. Sie sind nicht nur Verheißungen für unsere Glückseligkeit, sondern sie beschreiben und sie sind das Leben Jesu Christi auf Erden. Wir haben also gerade in diesem Evangelium das am besten nachvollziehbare Vorbild – unseren Herrn selbst. Denn wer auf dieser Welt war seiner Bestimmung nach ärmer, als ER? Er hatte kein Kissen, worauf er sein Haupt betten konnte. Er verzichtete auf Ehre, die ihm doch mehr als allen anderen Wesen dieser Erde gebührt hätte. Er wusch seinen Jüngern die Füße; machte sich selbst zum Diener und war seinem Vater in allen Dingen gehorsam. Er behielt nichts für sich, was er als Sohn Gottes dem Fleische nach wusste. Ja, er verzichtete sogar, um unser Heil zu erwirken, auf sein Leben und gab es Gott unter Qualen und Leiden für uns als reines und vollkommenes Opfer dar.

Ist das nicht die eigentliche Armut? Ich denke schon und es ist ebenso die gleiche Art von Armut, die Mutter Teresa meinte, als sie sagte: „Sich selbst geben ist besser als nur geben“.

Wir aber sind oft versucht, im wahrsten Sinne des Wortes aus der Not eine Tugend zu machen. Notleidende, die nicht einmal mehr wissen, was sie am nächsten Tag essen sollen, weil sie schon gestern nichts mehr zum Beißen hatten, werden mit Verweis auf das heutige Evangelium nicht selten romantisch oder leider auch hämisch verklärt. Doch ein materielles Notleiden ist noch lange nicht jene Armut, welche Christus für unsere Glückseligkeit als nötig erachtet. Die Armut ist wesentlich von der geistigen Armut her bestimmt. Bin ich nämlich nicht vorwiegend daran interessiert, vor den Menschen etwas zu gelten und gebe ich mein Geld den Notleidenden ohne peinlich darauf zu achten, wie viel ich gebe, so werde ich auf jeder Ebene „arm“, weil ich flüssig und durchlässig geworden bin. Durchlässig für das Wirken Gottes. So ist es die Armut, die uns für die Gnadengeschenke Gottes frei und empfänglich macht, und darum geht es doch, oder? Arm sind wir nämlich erst dann, wenn wir uns nicht an das festkrallen, was wir haben. Sei es ein Gegenstand, ein guter Ruf, Ehre, Wohlstand, ein Mensch, eine Emotion, ein Tier oder eine Situation.

Not leiden wir auf einer Weise zwar alle, weil wir nach Christus hungern, diese Not ist aber unabhängig vom materiellen und ideellen Wohlstand betrachtet, eine geistige Liebesnot. Also eine gute und wichtige Not. Dieses Hungern und Dürsten nach Gott schlägt sich gleichsam auf unser Wesen nieder.

Wenn wir jedoch nicht bereit sind ALLES, was wir haben und was wir sind, stehen und liegen zu lassen, sind wir wie ein Reicher, selbst wenn wir nichts zum Essen oder zum Lachen hätten. Paradox, nicht wahr? Hier sieht man aber sehr gut, warum Not nicht mit Armut gleichgesetzt werden kann. Denn selbst notleidende Menschen können Güter besitzen, die sie nicht einmal um Gottes und ihres Heiles Willen loslassen würden und sei es nur der eigene Hochmut. Aber genau das ist es, was die Nachfolge Christi von uns verlangt: Alles stehen und liegen zu lassen, so dass die Toten ihre Toten begraben müssen.

Bedenkt doch was Gott aus Menschen machen kann, die arm sind. Nicht die Armut, die eine Not ist, meine ich damit – sondern die Armut, die sich an keine Güter festhält und nichts für sich haben möchte. Diese Armut macht den Menschen frei für den Willen und das Wirken Gottes und was Er in solchen Menschen wirken kann ist legendär. Wir lesen es in den Heiligen-Biographien, wir sehen es aber auch an anderen Menschen und – hoffentlich – an uns selbst.

Letztendlich ist Armut unauflöslich mit der Liebe verbunden. Die Liebe fordert nichts und sie behält nichts für sich. Die Armut in dieser Liebe fordert ebenso nichts und behält auch nichts für sich, nicht einmal das sprichwörtlich gewordene „gute Recht“. Ein armer Mensch verzichtet aus freiem Willen auf Vergnügungen und Ansehen, um frei und empfänglich – das heißt um fruchtbar für Gott zu sein. Ein armer Mensch denkt sich nichts dabei, wenn er gelobt wird, er lässt sich aber auch nicht durch Tadel in der Verkündigung des Evangeliums stoppen. Denkt an den Wahlspruch von Clemens August Kardinal Graf von Galen: Nec laudibus nec timore – „Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht [soll uns bewegen]“.

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