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… Salz der Erde

Der Zölibat und die Konzilsanerkenner

Posted by conservare - 14/03/2010

Längst wissen wir, dass die sogenannten „Konzilsanerkenner“ in ihrer Anerkennung nicht die eigentlichen Dokumente einbeziehen, sondern vielmehr einen ominösen Geist des zweiten Vatikanischen Konzils. Man darf bei Gruppierungen wie etwa „Wir sind Kirche“ oder den „Heiner Geißler Fanclub“ Zeuge davon werden, wie sehr sich Buchstabe und Geist doch auseinanderleben können.

Das beste Beispiel ist aktuell einfach der Zölibat: Von vielen Menschen gehasst. Von vielen Katholiken sogar ohne Mühe zum Verständnis abgekanzelt und für alle Missstände in der Kirche verantwortlich gemacht. Da tut es ja regelrecht gut, solche Worte von Benedikt XVI. zu lesen, nachdem sich zwei Bischöfe sehr – nun ja, sagen wir einmal antikonziliar über den Zölibat ausgedrückt haben.

Ist dies nur ein Aspekt der postmodernen Diktatur des Relativismus? Sicher auch, aber nicht nur. Es ist vor allem eine Verweigerung gegenüber des Gebetes – wie ich weiter unten nachweisen werde.

Aus den Dokumenten des II Vatikanischen Konzils
DEKRET PRESBYTERORUM ORDINIS
ÜBER DIENST UND LEBEN DER PRIESTER

16. Die Kirche hat die vollkommene und ständige Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, die von Christus dem Herrn empfohlen
33, in allen Jahrhunderten bis heute von nicht wenigen Gläubigen gern angenommen und lobenswert geübt worden ist, besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt
34. Zwar ist sie nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche
35 und die Tradition der Ostkirchen zeigt, wo es neben solchen, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt. Wenn diese Heilige Synode dennoch den kirchlichen Zölibat empfiehlt, will sie in keiner Weise jene andere Ordnung ändern, die in den Ostkirchen rechtmäßig Geltung hat; vielmehr ermahnt sie voll Liebe diejenigen, die als Verheiratete das Priestertum empfingen, sie möchten in ihrer heiligen Berufung ausharren und weiterhin mit ganzer Hingabe ihr Leben für die ihnen anvertraute Herde einsetzen
36. Der Zölibat ist jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen. Die priesterliche Sendung ist nämlich gänzlich dem Dienst an der neuen Menschheit geweiht, die Christus, der Überwinder des Todes, durch seinen Geist in der Welt erweckt, die ihren Ursprung „nicht aus dem Blut, nicht aus dem Wollen des Fleisches noch aus dem Wollen des Mannes, sondern aus Gott“ (Joh 1,13) hat. Durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen
37 werden die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht; sie hangen ihm leichter ungeteilten Herzens an
38, schenken sich freier in ihm und durch ihn dem Dienst für Gott und die Menschen, dienen ungehinderter seinem Reich und dem Werk der Wiedergeburt aus Gott und werden so noch mehr befähigt, die Vaterschaft in Christus tiefer zu verstehen. Auf diese Weise bezeugen sie also vor den Menschen, daß sie sich in ungeteilter Hingabe der ihnen anvertrauten Aufgabe widmen wollen, nämlich die Gläubigen einem Mann zu vermählen und sie als keusche Jungfrau Christus zuzuführen
39; so weisen sie auf jenen geheimnisvollen Ehebund hin, der von Gott begründet ist und im anderen Leben ins volle Licht treten wird, in welchem die Kirche Christus zum einzigen Bräutigam hat
40. Darüber hinaus sind sie ein lebendiges Zeichen der zukünftigen, schon jetzt in Glaube und Liebe anwesenden Welt, in der die Auferstandenen weder freien noch gefreit werden
41. Der so im Geheimnis Christi und seiner Sendung begründete Zölibat wurde zunächst den Priestern empfohlen und schließlich in der lateinischen Kirche allen, die die heilige Weihe empfangen sollten, als Gesetz auferlegt. Diese Heilige Synode billigt und bekräftigt von neuem das Gesetz für jene, die zum Priestertum ausersehen sind, wobei ihr der Geist das Vertrauen gibt, daß der Vater die Berufung zum ehelosen Leben, das ja dem neutestamentlichen Priestertum so angemessen ist, großzügig geben wird, wenn nur diejenigen, die durch das Sakrament der Weihe am Priestertum Christi teilhaben, zusammen mit der ganzen Kirche demütig und inständig darum bitten. Das Konzil mahnt daher alle Priester, die im Vertrauen auf Gottes Gnade in freier Entscheidung nach Christi Vorbild den Zölibat auf sich genommen haben, ihm großmütig und mit ganzem Herzen anzuhangen und treu in diesem Stand auszuhalten in der Erkenntnis der hohen Gnadengabe, die ihnen vom Vater gegeben wurde und die der Herr so offenkundig gepriesen hat
42. Sie sollen dabei immer jene Geheimnisse vor Augen haben, die durch sie bezeichnet werden und ihre Erfüllung finden. Und je mehr in der heutigen Welt viele Menschen ein Leben in vollkommener Enthaltsamkeit für unmöglich halten, um so demütiger und beharrlicher werden die Priester und mit ihnen die ganze Kirche die Gabe der Beständigkeit und Treue erflehen, die denen niemals verweigert wird, die um sie bitten. Zugleich werden sie alle übernatürlichen und natürlichen Hilfen anwenden, die jedem zur Verfügung stehen; sie sollen vor allem die durch die Erfahrung der Kirche bewährten aszetischen Verhaltensweisen, die in der modernen Welt nicht weniger notwendig sind, befolgen. So bittet diese Heilige Synode nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen, sie möchten sich die kostbare Gabe des priesterlichen Zölibates ein wirkliches Anliegen sein lassen, und alle mögen Gott bitten, daß er dieses Geschenk seiner Kirche stets in Fülle zukommen lasse.

Der letzte Abschnitt wurde von mir besonders hervorgehoben, um zu verdeutlichen wie ein Katholik dem Zölibat gegenübertreten sollte: Nämlich mit dem Gebet für die Einhaltung desselben. Nun fragt euch selbst: Jemand, der gegen den Zölibat auftritt, soll gleichzeitig dazu fähig sein für dessen Einhaltung zu beten? Wie war das mit dem Reich, das in sich gespalten ist?

O liebende Mutter Maria,
Mutter der Priester,
nimm Dir Deinen Sohn zu Herzen,
der Dir durch seine Priesterweihe nahe ist
und durch die Kraft, die er empfangen hat,
um das Werk Christi fortzuführen in
einer Welt,
die ihn so sehr braucht.
Sei sein Trost,
sei seine Freude,
sei seine Stärke,
und hilf ihm vor allem,
das Ideal der Gott geweihten Ehelosigkeit
zu leben und zu verteidigen.
Amen.

Die Kirche bittet uns gerade für dieses Anliegen um das Gebet. Vor allem und ausgerechnet in einer Zeit, in der die Menschen den Sinn und Zweck der Ehelosigkeit nicht mehr verstehen. Die Menschen verstehen aber auch nicht mehr den Sinn einer Ehe und deswegen bricht gleichzeitig mit dem Unverständnis und der Lauheit gegenüber der Ehe auch Unverständnis gegen die keusche (!) Ehelosigkeit aus. Beides bedingt sich in gewisser Weise und dient als Spiegel der weltlichen sowie der kirchlichen Gesellschaft. Nebenbei bemerkt, sind es fast nur noch Priester und Homosexuelle, die man unbedingt in die Ehe schieben möchte; während man Eheleute dazu anhält öfter mal fremd zu gehen oder sich scheiden zu lassen. Und mal ehrlich – meint Heiner Geißler und Co. eigentlich wirklich die Ehe, oder reden all diese Leute insgeheim nicht eher vom Konkubinat? Ich finde das ist eine berechtigte Frage.

Es gehört jedenfalls eine gute Portion Demut dazu, der Kirche so viel Vertrauen zu schenken, dass man ihre Satzungen beachtet und für die Einhaltung aller Weisungen betet, selbst wenn es um den Zölibat geht.

3 Antworten zu “Der Zölibat und die Konzilsanerkenner”

  1. alipius said

    „Nebenbei bemerkt, sind es fast nur noch Priester und Homosexuelle, die man unbedingt in die Ehe schieben möchte; während man Eheleute dazu anhält öfter mal fremd zu gehen oder sich scheiden zu lassen.“

    Sehr gute Beobachtung!

    • conservare said

      Danke 🙂 ich wollte diese Beobachtung schon immer mal hier niederschreiben, aber es fehlte die passende Gelegenheit… oh wie opportun ich doch bin – haha 😉

  2. Hallo,
    ich bin theologisch interessierter Laie und überlege, ob ich nicht Theologie studieren sollte. Was den Zölibat angeht, wollte ich einen Hinweis geben. Grundlage für jede christliche Lehre kann ja nur die Heilige Schrift sein, die in der uralten katholischen Kirche kanonisiert wurde. Als einfältiger Leser unserer Urverfassung (die Hl. Schrift) muß ich sagen, daß es offensichtlich in der frühen Kirche kein Zwangszölibat gab. Historisch belegt ist, daß der Zölibat erst über 1000 Jahre nach Christus verbindlich eingeführt wurde. Hat sich die alte, katholische Kirche 1000 Jahre lang geirrt, indem sie kein Zölibat vorschrieb??? Gruß, Brändlein (http://www.glaubereal.wordpress.com)

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