CONSERVARE

… Salz der Erde

Bischof Mixa möchte zurücktreten

Posted by conservare - 22/04/2010

… alle wollten es, um Bischof Mixa los zu werden. Er selber hat letztendlich nachgegeben, aber nicht weil er Kinder misshandelte (und ich bleibe dabei, dass eine Watschn keine Misshandlung ist und früher erst recht nicht war!), sondern weil er weiteren Schaden von seinem Bistum abwenden möchte. Man kann sich anhand dieser tragischen Aussage nur dunkel vorstellen, wie es in der Diözese in diesen Wochen zugegangen sein muss. Die Priester sollten geschützt werden. Ja – aber lieber Bischof Mixa, was ist denn mit den Schafen ihrer Herde? Die brauchen Sie doch.

Aber jetzt muss ich doch noch einmal herzlich lachen – und zwar über die Presse, die für mich so langsam ein offenes Buch ist. Ich habe es gewusst: Tritt der Bischof nicht zurück, erhärten sie die Angriffe und nehmen andere Maßnahmen zur Hilfe. Tritt der Bischof zurück, so heißt es: er drückt sich vor den Konsequenzen. (vergleiche Lukas 7, 32)

Tja, was steht heute in meiner Zeitung? „Rücktritt löst die Probleme nicht“.

Auf einer Weise stimmt diese Schlagzeile sogar für die (echten) Gläubigen der Diözese Augsburg. So meint das die Schlagzeile aber natürlich nicht. Jetzt muss nämlich ordentlich nachgeheizt und nachgetreten werden, damit der Bischof ja nicht mehr wieder kommt.

Da setzt auch ein von mir nicht gewählter Oberlaie namens Glück einen drauf und meint: „Mixa sei doch eine schwere Last geworden„.

Herr Glück: Lasten muss man tragen, nicht abwerfen. Das ist ein altes katholisches Prinzip. Oder hätten Sie damals zu Jesus Christus gesagt: „Wirf dein Kreuz weg, das ist doch nur eine Last“? Oder soll sich die Kirche einmal schütteln wie ein nasser Hund, um all die sündigen Flöhe aus ihrem Pelz zu katapultieren? Schließlich sind wir alle Sünder und somit eine Last für die Kirche und für uns selber.

Ach und Herr Glück: für Sie immer noch: Bischof Mixa.

Und für all die anderen, die jetzt große Töne spucken: Kehrt vor eurer eigenen Tür. Was wisst ihr schon? Und hätte Bischof Mixa noch wesentlich schlimmere Dinge getan und er wäre voll Reue zur Beichte gegangen, so würde ihm Gott verzeihen. Wer weiß, ob er das nicht schon längst getan hat. Haltet euch also zurück, die ihr euch Katholiken nennt, haltet euch zurück mit dem Nachtragen der Schuld eines Bischofs, eines guten Bischofs obendrein. Einen Rufmord braucht man nämlich nicht mehr nachzementieren, der ist so schon konsequent genug.

Dann möchte ich dazu noch folgendes sagen und manche Brüder und Schwestern im Glauben daran erinnern: Vergebung ist einer der vielen Grundpfeiler des Christentums. Bischof Mixa hat bereits mehrmals um Vergebung gebeten. Wer oder was sind wir denn, wenn wir das nicht gelten lassen und in das Gebrüll der Welt, die keine Verzeihung kennt, einstimmen? Legt eure Steine nieder, denn höchstwahrscheinlich lässt sich im Leben jedes Menschen etwas finden, aus dem man ihm einen medialen Strick drehen könnte. Vor allem in der modernen Zeit, wo man alles mögliche aus einem ganzen Leben irgendwo abspeichern kann. Da lässt sich vieles finden.
Wie würde es uns denn gehen, wenn man uns Dinge von vor 30 Jahren plötzlich vorhält, die wir vielleicht schon längst bereut und gebeichtet haben? Sicher würde der eine oder andere von uns – auch nicht gerade gut beraten – einen ähnlichen Fehler wie Bischof Mixa begehen. Das ist jedenfalls nicht auszuschließen.

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11 Antworten to “Bischof Mixa möchte zurücktreten”

  1. Arminius said

    Ich möchte mich hierzu eines eigenen Kommentars enthalten. In diesem Blogbeitrag ist schon alles gesagt.

  2. Johann Chrysostomos said

    Daß Seine Exzellenz, Bischof Mixa, der heutigen Zeit so gar nicht in den Kram passt, wurde ja schon lange klar. Wenn es in der Vergangenheit nur den Anschein hatte, daß er zu einer Aussage Luft holt, stürzten sich die Medien bereits auf ihn und verurteilten ihn aufs schärfste – ganz egal welcher Natur das Statement dann war. Noch immer steigt mir die Zornesröte ins Gesicht, wenn ich an die Reaktionen auf seine Aussagen zur deutschen Familienpolitik denke. Ihm, der er als einziger die Wahrheit sagte – und zwar noch nicht einmal kirchlich eingefärbt (wäre ja auch ganz ganz böse), sondern lediglich der Vernunft und Menschenliebe folgend – hat man die Hölle heißgemacht. Keiner hat sich aber die Mühe gemacht, seine Sätze mal ganz zu hören bzw. zu lesen, sondern hat sofort ein Schlagwort aus dem Kontext gerissen und bis heute kann man überall lesen: „Mixa bezeichnet Frauen als Gebärmaschinen.“
    So auch jetzt: ich persönlich stimme völlig mit Dir überein. Eine Watschn ist kein systematisches Prügeln und mißhandeln. Desweiteren muß man sich vor Augen halten, wann das alles passiert ist. Vor ca. 30 Jahren!!! Damals herrschten auch noch ganz andere Erziehungsmethoden. Würde ich erzählen, welche Maßnahmen noch wir Ende der 70er über uns ergehen lassen mussten….aber in meiner Schulzeit übrigens nie von katholischen Priestern, die pflegten immer einen sehr liebevollen Umgang zu uns Schülern trotz großer Autorität. Die ach so fortschrittlichen weltlichen Pädagogen hingegen waren in der Praxis nämlich oftmals gar nicht mehr so reformorientiert wie die Theorie das verlangte. Trotzdem habe ich an meine Schulzeit sehr schöne Erinnerungen und käme nie auf die Idee zu sagen, wir seien körperlich gezüchtigt oder gar mißhandelt worden. Und Spiegel online macht momentan aus des Bischofs Watschn in den 70ern eine Prügelschlagzeile!!! Unerhört! Genauso wie die ganzen Menschen, welche jetzt aus der katholischen Kirche austreten. Im Grunde genommen geht es doch um die Einsparung der Kirchensteuer und die momentanen negativen Schlagzeilen liefern noch den pseudomäßigen gewissensberuhigenden Hintergrund für diesen Schritt. Gerade in den momentan schweren Zeiten fühle ich eine nie gekannte, noch viel tiefere Solidarität mit der una sancta und dem Heiligen Vater.

  3. hjbu said

    Herzlichen Dank für diesen Kommentar, auch für den Brief an Bischof Mixa. Ich stimme in beiden Veröffentlichungen mit Ihnen überein. Noch etwas: Dass bei dem Schaden für die Kirche am allermeisten der Bischof selber zerknirscht ist, ist mir ganz klar. Vor allem wird es ihn schmerzen, welchen Schmerz er dem Hl. Vater beibringt, war bzw. ist er doch ein treuer Gewährsmann seiner.

  4. Ulrich said

    Er hätte von Anfang an die Wahrheit sagen müssen – die ganze Wahrheit, aber (*spekulier*) vielleicht wollte Voß das nicht. Ich finde es – auch ganz persönlich – schade, dass ich Mixa verteidigt habe, obwohl er doch tlw. etwas getan hat, das doch mit den Vorwürfen übereinstimmt
    Für die Kirche im Bistum Augsburg, für die vielen Gläubigen, war dieses Zeichen nötig, gerecht ist es wohl nicht, für die Priester, die ihm den Rücktritt nahegelegt haben, nach Medienberichten nicht leicht, Mixa hat die Situation unterschätzt. Die Vorwürfe sind lächerlich, Mixa hat sich lt. Sonderermittler Knott (vorläufige Ermittlungsergebnisse) nicht persönlich bereichert.
    Vielleicht wurde er falsch beraten, aber er hätte keine Halbwahrheit erzählen dürfen.
    Ich werde für ihn beten.

    • conservare said

      Ich kann dich schon verstehen, anfangs dachte ich auch so.

      Aber das sind meiner Meinung nach alles keine Gründe für einen Rücktritt eines Bischofs. Es gibt hier unter uns Bischöfe und Politiker, die richtig Dreck am Stecken haben, aber niemand gräbt deren Leichenkeller aus – warum?

      Ich persönlich muss sagen, dass ich überhaupt kein Interesse an Leichenkellern anderer Menschen habe, es sei denn, dass dadurch auch noch aktuell andere Menschen bedroht werden, wie im Falle Leutheusser Schnarrenberger in Verbindung mit der HU und gewisse andere Politiker, die heute noch ihre alten schändlichen Parolen von gestern ins Volk pumpen.

      Im Grunde genommen hat einfach jeder Mensch irgendwo größeren oder kleineren Schmutz in der Vergangenheit liegen und es ist zwar nicht natürlich, aber es ist menschlich im Schmutz anderer Leute zu buddeln, um einen Sündenbock zu finden. Das muss man aber noch lange nicht als Status Quo fördern und dass so etwas nicht katholisch ist, wissen wir alle. Das interessiert halt nur leider niemanden sonst.

      Bischof Mixa sagte selbst, warum er zurücktreten will. Nicht primär wegen der maßlosen Anschuldigungen (die Anschuldigungen, die über Watschn hinausgingen, wurden auch bis heute nicht nachgewiesen), sondern um dem Bistum Ruhe zu verschaffen. Ich finde das ist ein interessanter Hinweis.

      • conservare said

        PS:

        Ein Rücktritt, der unter Druck seitens der Öffentlichkeit und vermeintlich der eigenen Kollegen geschieht, ist schon ziemlich bedenklich und kann man meiner Meinung nicht einfach so als gerechtfertigt zu den Akten legen.

        Bischof Mixa ist aktuell an einem Ort um zu sich zu finden. Das gönne ich ihm von Herzen und dabei belasse ich es eigentlich auch schon.

        Traurig ist das Ganze allemal.

        • Ulrich said

          Der Rücktritt war in Bezug auf das Vertrauen der Menschen in die Kirche nötig. Ob er richtig war, darf bezweifelt werden. Mixa hat viel falsch gemacht, nur ist in der heutigen Weltöffentlichkeit ein Rücktritt nötig.
          Seufz

          • conservare said

            Naja, ich weiß nicht ob es das Vertrauen in die Kirche stärkt, wenn ein Bischof möglicherweise (und das darf ja angezweifelt werden) nicht ganz freiwillig zurückgetreten ist. Ich denke das macht mehr stutzig als dass es Beruhigung und Vertrauen verschafft. Ehrlich gesagt, ich kann mir eher vorstellen, dass sich manche Leute da draußen die Frage stellen: Sagt jetzt Bischof XY dieses und jenes, weil es wirklich so ist, oder weil es eine gewisse weltliche Macht hören möchte?

            Und dann muss ich noch dazu sagen, dass das Vertrauen in der Kirche ja nicht daran gekoppelt ist, ob ein Bischof wegen einer vermeintlichen Lüge oder einer schlechten Beratung zurücktritt oder nicht. Das Vertrauen in die Kirche speist sich aus dem Vertrauen in Jesus Christus, der in der Kirche lebt und wirkt und im Allerheiligsten Altarsakrament gegenwärtig ist. Für uns alle. 🙂 Gott sei Dank.

          • conservare said

            Es gibt in diesem Fall sicher viele Facetten und wir kennen nur noch nicht alle.

  5. ebook said

    Der Rücktritt von Bischoff Mixa wird keine Ruhe in die ganzen Unregelmässigkeiten bringen. Am besten ist, mal legt die Karten auf den Tisch und bereut. Die Kirchenaustritte werden sonst noch mehr zunehmen. Es kommt doch alles ans Tageslicht. Am Besten ist, dass die Kirche reinen Tisch macht.

    • conservare said

      Nun ja, wer wegen solchen Dingen aus der Kirche austritt, hat nicht einmal verstanden was die Kirche überhaupt ist und dann tut mir das wegen den Menschen leid, weil ihnen offenbar niemand erklärt hat, was die Kirche für ihr Seelenheil bedeutet oder weil sie es nicht wissen wollten. Für diese Leute kann man nur beten, mehr nicht. Zwingen kann man niemanden.

      Überdies ist es die Frage, ob es nicht auch deswegen Austritte gibt, weil man jetzt mit den ganzen Skandalen und Skandälchen der Kirche einen guten Grund gefunden hat, seinen Geldbeutel nicht mehr belasten zu müssen.

      Der Punkt ist aber der: Einmal getauft, immer getauft und gerade dieser „Umstand“ wird es den Leuten nach ihrem Tod nicht gerade leicht machen, wenn sie nicht umkehren. Mit einer Gewissensentscheidung hat das eher nichts zu tun.

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