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… Salz der Erde

Archive for the ‘Priesterjahr 09/10’ Category

Zur Sache – zum Priesterjahr 09/10

Wie können wir unseren Priestern helfen?

Posted by conservare - 03/07/2010

Diese Frage stellten gläubige Christen an Kardinal Meisner. Seine Antwort darauf, die ich heute in der sehr guten Zeitschrift „der Fels“ lesen durfte, ist genauso simpel wie anspruchsvoll – eben katholisch:

„Gehen Sie zu ihnen (den Priestern) beichten!“

Dort, wo der Priester nicht mehr Beichtvater ist, wird er zum religiösen Sozialarbeiter. Ihm fehlt dann die Erfahrung großer pastoraler Erfolge, wo er mitwirken darf, dass ein Sünder auch durch seine Hilfe den Beichtstuhl wieder als Geheiligter verlässt. (…) Ein Priester, der nicht häufig auf beiden Seiten des Beichtgitters anzutreffen ist, leidet auf die Dauer Schaden an seiner Seele und an seiner Mission.

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Der Zölibat und die Konzilsanerkenner

Posted by conservare - 14/03/2010

Längst wissen wir, dass die sogenannten „Konzilsanerkenner“ in ihrer Anerkennung nicht die eigentlichen Dokumente einbeziehen, sondern vielmehr einen ominösen Geist des zweiten Vatikanischen Konzils. Man darf bei Gruppierungen wie etwa „Wir sind Kirche“ oder den „Heiner Geißler Fanclub“ Zeuge davon werden, wie sehr sich Buchstabe und Geist doch auseinanderleben können.

Das beste Beispiel ist aktuell einfach der Zölibat: Von vielen Menschen gehasst. Von vielen Katholiken sogar ohne Mühe zum Verständnis abgekanzelt und für alle Missstände in der Kirche verantwortlich gemacht. Da tut es ja regelrecht gut, solche Worte von Benedikt XVI. zu lesen, nachdem sich zwei Bischöfe sehr – nun ja, sagen wir einmal antikonziliar über den Zölibat ausgedrückt haben.

Ist dies nur ein Aspekt der postmodernen Diktatur des Relativismus? Sicher auch, aber nicht nur. Es ist vor allem eine Verweigerung gegenüber des Gebetes – wie ich weiter unten nachweisen werde.

Aus den Dokumenten des II Vatikanischen Konzils
DEKRET PRESBYTERORUM ORDINIS
ÜBER DIENST UND LEBEN DER PRIESTER

16. Die Kirche hat die vollkommene und ständige Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, die von Christus dem Herrn empfohlen
33, in allen Jahrhunderten bis heute von nicht wenigen Gläubigen gern angenommen und lobenswert geübt worden ist, besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt
34. Zwar ist sie nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche
35 und die Tradition der Ostkirchen zeigt, wo es neben solchen, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt. Wenn diese Heilige Synode dennoch den kirchlichen Zölibat empfiehlt, will sie in keiner Weise jene andere Ordnung ändern, die in den Ostkirchen rechtmäßig Geltung hat; vielmehr ermahnt sie voll Liebe diejenigen, die als Verheiratete das Priestertum empfingen, sie möchten in ihrer heiligen Berufung ausharren und weiterhin mit ganzer Hingabe ihr Leben für die ihnen anvertraute Herde einsetzen
36. Der Zölibat ist jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen. Die priesterliche Sendung ist nämlich gänzlich dem Dienst an der neuen Menschheit geweiht, die Christus, der Überwinder des Todes, durch seinen Geist in der Welt erweckt, die ihren Ursprung „nicht aus dem Blut, nicht aus dem Wollen des Fleisches noch aus dem Wollen des Mannes, sondern aus Gott“ (Joh 1,13) hat. Durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen
37 werden die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht; sie hangen ihm leichter ungeteilten Herzens an
38, schenken sich freier in ihm und durch ihn dem Dienst für Gott und die Menschen, dienen ungehinderter seinem Reich und dem Werk der Wiedergeburt aus Gott und werden so noch mehr befähigt, die Vaterschaft in Christus tiefer zu verstehen. Auf diese Weise bezeugen sie also vor den Menschen, daß sie sich in ungeteilter Hingabe der ihnen anvertrauten Aufgabe widmen wollen, nämlich die Gläubigen einem Mann zu vermählen und sie als keusche Jungfrau Christus zuzuführen
39; so weisen sie auf jenen geheimnisvollen Ehebund hin, der von Gott begründet ist und im anderen Leben ins volle Licht treten wird, in welchem die Kirche Christus zum einzigen Bräutigam hat
40. Darüber hinaus sind sie ein lebendiges Zeichen der zukünftigen, schon jetzt in Glaube und Liebe anwesenden Welt, in der die Auferstandenen weder freien noch gefreit werden
41. Der so im Geheimnis Christi und seiner Sendung begründete Zölibat wurde zunächst den Priestern empfohlen und schließlich in der lateinischen Kirche allen, die die heilige Weihe empfangen sollten, als Gesetz auferlegt. Diese Heilige Synode billigt und bekräftigt von neuem das Gesetz für jene, die zum Priestertum ausersehen sind, wobei ihr der Geist das Vertrauen gibt, daß der Vater die Berufung zum ehelosen Leben, das ja dem neutestamentlichen Priestertum so angemessen ist, großzügig geben wird, wenn nur diejenigen, die durch das Sakrament der Weihe am Priestertum Christi teilhaben, zusammen mit der ganzen Kirche demütig und inständig darum bitten. Das Konzil mahnt daher alle Priester, die im Vertrauen auf Gottes Gnade in freier Entscheidung nach Christi Vorbild den Zölibat auf sich genommen haben, ihm großmütig und mit ganzem Herzen anzuhangen und treu in diesem Stand auszuhalten in der Erkenntnis der hohen Gnadengabe, die ihnen vom Vater gegeben wurde und die der Herr so offenkundig gepriesen hat
42. Sie sollen dabei immer jene Geheimnisse vor Augen haben, die durch sie bezeichnet werden und ihre Erfüllung finden. Und je mehr in der heutigen Welt viele Menschen ein Leben in vollkommener Enthaltsamkeit für unmöglich halten, um so demütiger und beharrlicher werden die Priester und mit ihnen die ganze Kirche die Gabe der Beständigkeit und Treue erflehen, die denen niemals verweigert wird, die um sie bitten. Zugleich werden sie alle übernatürlichen und natürlichen Hilfen anwenden, die jedem zur Verfügung stehen; sie sollen vor allem die durch die Erfahrung der Kirche bewährten aszetischen Verhaltensweisen, die in der modernen Welt nicht weniger notwendig sind, befolgen. So bittet diese Heilige Synode nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen, sie möchten sich die kostbare Gabe des priesterlichen Zölibates ein wirkliches Anliegen sein lassen, und alle mögen Gott bitten, daß er dieses Geschenk seiner Kirche stets in Fülle zukommen lasse.

Der letzte Abschnitt wurde von mir besonders hervorgehoben, um zu verdeutlichen wie ein Katholik dem Zölibat gegenübertreten sollte: Nämlich mit dem Gebet für die Einhaltung desselben. Nun fragt euch selbst: Jemand, der gegen den Zölibat auftritt, soll gleichzeitig dazu fähig sein für dessen Einhaltung zu beten? Wie war das mit dem Reich, das in sich gespalten ist?

O liebende Mutter Maria,
Mutter der Priester,
nimm Dir Deinen Sohn zu Herzen,
der Dir durch seine Priesterweihe nahe ist
und durch die Kraft, die er empfangen hat,
um das Werk Christi fortzuführen in
einer Welt,
die ihn so sehr braucht.
Sei sein Trost,
sei seine Freude,
sei seine Stärke,
und hilf ihm vor allem,
das Ideal der Gott geweihten Ehelosigkeit
zu leben und zu verteidigen.
Amen.

Die Kirche bittet uns gerade für dieses Anliegen um das Gebet. Vor allem und ausgerechnet in einer Zeit, in der die Menschen den Sinn und Zweck der Ehelosigkeit nicht mehr verstehen. Die Menschen verstehen aber auch nicht mehr den Sinn einer Ehe und deswegen bricht gleichzeitig mit dem Unverständnis und der Lauheit gegenüber der Ehe auch Unverständnis gegen die keusche (!) Ehelosigkeit aus. Beides bedingt sich in gewisser Weise und dient als Spiegel der weltlichen sowie der kirchlichen Gesellschaft. Nebenbei bemerkt, sind es fast nur noch Priester und Homosexuelle, die man unbedingt in die Ehe schieben möchte; während man Eheleute dazu anhält öfter mal fremd zu gehen oder sich scheiden zu lassen. Und mal ehrlich – meint Heiner Geißler und Co. eigentlich wirklich die Ehe, oder reden all diese Leute insgeheim nicht eher vom Konkubinat? Ich finde das ist eine berechtigte Frage.

Es gehört jedenfalls eine gute Portion Demut dazu, der Kirche so viel Vertrauen zu schenken, dass man ihre Satzungen beachtet und für die Einhaltung aller Weisungen betet, selbst wenn es um den Zölibat geht.

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Tradiwaberl mischt mit

Posted by conservare - 30/01/2010

Endlich gibt es auch eine Webseite von Tradiwaberl alias Pfaffenheini aka Pfarrer Sieberer aus der österreichischen Pfarrei Penzing St. Jakob! Damit verbunden ist folgendes Angebot für Interessierte an der hl. Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus:

_______________________________________

missa cantata – Amt
Pfarrkirche Penzing St. Jakob
Sonntag, 18 Uhr 30
Einwanggasse 30a
1140 Wien

missa lecta – stille Messe
Rochuskapelle Pfarre Penzing St. Jakob
Dienstag und Donnerstag, 18 Uhr 30
Penzingerstraße 70
1140 Wien

Treffen für interessierte Priester
Pfarrhof Pfarre Penzing St. Jakob
Dienstag, 16. März 2010, 10 Uhr
Einwanggasse 30
1140 Wien
Anmeldung bei Pfarrer Christian Sieberer
christian.sieberer@gmx.at

_______________________________________

Pfarrer Sieberer hat den Aufruf des Heiligen Vaters zur Mission im Internet ähnlich wie Don Johannes und seine Birett Ballett Productions schon lange im Voraus erfüllt und ist sehr erfolgreich in der Jugend-Seelsorge, aber ebenso auch im Apostolat für die „alte“ Messe in Österreich. Warum ich hier in Franken Werbung für Österreicher mache? Weil ich finde, dass wir in Deutschland auch einige Tradiwaberls gebrauchen könnten und vielleicht möchte sich ja jemand ein Beispiel nehmen? Feel free, just do it! Denn: Es ist erlaubt 😉 – beide Formen des Römischen Ritus sind erlaubt, sogar in Latein und mit dem Gesicht zum Herrn.

Außerdem gibt es zwischen den deutschsprachigen Ländern – zumal im Internet – kaum mehr Grenzen was das Apostolat angeht. Wir sollten da einfach zusammenhalten.

Übrigens – am Ende des Trailers zum Film „ADSUM„, der aus dem Hause von Don Johannes kommt, ist Pfarrer Sieberer ohne Sonnenbrille, ohne Wiener Slang und ohne Birett zu sehen und zwar mit einem sehr bedeutungsvollen Satz:

Die demütige Liebe ist die größte Kraft der Welt.

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werde Priester und werde es ganz

Posted by conservare - 10/12/2009

Erzbischof Ludwig Schick sagte einmal anlässlich zu einer Priesterweihe:

Der Priester muss nicht ein Entertainer, Organisator und Mädchen für alles sein,
sondern ein Mann Gottes, bei dem man Gott spürt

Unerlässlich sei, dass der Priester vor allem ein betender Mensch sei, der immer mit
Christus verbunden bleibe.

Willst du ein Leben voller Glück und Glanz,
werde Priester und werde es ganz.
Willst du ein Leben voller Druck und Alp,
werde Priester und werde es halb.

In diesem Sinne: frisch, fromm, fröhlich und frei ans Werk

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ADSUM – Ein Film zum Priesterjahr

Posted by conservare - 06/12/2009

Don Johannes ist sicher vielen Katholiken im Internet bekannt. Die Produktion verschiedener Clips und eines richtigen Films über die Heilige Messe hat er schon hinter sich, nun wartet er mit einem neuen Stück auf:

ADSUM – Ein Film zum Priesterjahr. Ein dokumentarisches Filmportrait über die Priesterberufung.

Hier ist also der erste Trailer mit Einblicken in den Film „Adsum“ und mir bleibt nur noch zu sagen: Vergelts Gott, Don Johannes, vergelts Gott allen mitwirkenden Priestern.

„Adsum“ – „Ich bin bereit“ – ist die Antwort, welche der Kandidat bei der Priesterweihe gibt. Wer ist bereit heute diesen Ruf zu hören?

Ihr könnt dieses Video hier bestellen:

adsum2010

An dieser Stelle ergehen herzliche Grüße und viele Gebete an Florian, der seine Berufung zum Priester erkannt hat. Gottes Segen!

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Umbau der Seelsorgestrukturen

Posted by conservare - 19/11/2009

Tja, irgendwie gelingt es mir nicht, hier ein Video einzufügen, welches nicht von YouTube stammt.

Deswegen mache ich das nun auf umständlichen Wegen und verlinke das Video einfach hier:

Umbau der Seelsorgestrukturen

Es lohnt sich, diesen Vortrag einmal genau anzuhören.

Der hier verlinkte Vortrag kommt vom Netzwerk katholischer Priester

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„ich habe gesehen, dass mein Gebet nicht vergebens war“

Posted by conservare - 16/11/2009

Erinnerung an Dr. P. Alexander Zatyrka SJ

Eine Berufungsgeschichte

Aus der Zeitung der Gemeinde Gaimberg „Sonnenseiten“ (Ausgabe Dezember 2003).
Dokumentiert von – und mit freundlicher Genehmigung – meiner lieben Bekannten Elisabeth.

Wie viele schon wissen, hatte P. Alexander die vergangenen drei Sommer die Urlaubsvertretung für
unseren Hr. Pfarrer Otto Großgasteiger über. Viele Gaimberger und auch Nußdorfer
haben ihn näher kennen und auch schätzen gelernt. Nun ist er wieder in seine Heimat Mexico zurückgekehrt
und hat uns zum Abschied näheres über sich und seine Heimat erzählt:

Ich bin am 10. Juli 1960 in Greenfield, Massachusetts geboren. Mein Vater hieß Joseph Paul Zatyrka und war auch
dort geboren. Seine Eltern sind 1914 aus der Ukraine nach Amerika gekommen. Meine Mutter – in Yucatán geboren –
hieß Myriam Pacheco. Ihre Familie kam vierhundert Jahre früher aus dem Baskenland und aus Portugal nach Amerika.
Als ich zweieinhalb Monate alt war, sind meine Eltern nach Yuchatàn in Mexico umgezogen. Ich bin der älteste Sohn.
Als ich zweieinhalb Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden. Beide haben noch einmal geheiratet.
Ich habe einen Bruder von Mutters zweiter Ehe und zwei Schwestern und einen Bruder aus der zweiten Ehe meines
Vaters. Ich habe zu meinen Stiefgeschwistern eine gute Beziehung. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist
die an mein Kindermädchen „Cristi“. Sie kam aus dem Stamm der Maya und ich erinnere mich gerne an ihre „Hipil“
– ein langes, weißes Hemd, das die Maya Indianerinnen tragen – an ihre Zärtlichkeit, an ihre Stimme. Ich glaube,
ich habe ihre Sprache – Maya – früher sprechen gelernt als Spanisch. Seither ist mein Leben mit dem der
Indianer sehr verbunden. Mein Lieblingsurlaubsort war immer ein kleines Dorf – Tekax – dorthin sind wir
immer gefahren. Dort habe ich auch heute noch Freunde, Brüder und Schwestern. Von ihnen habe ich die
Gnade bekommen, einen tiefen Glauben zu leben. Dort habe ich auch meinen Ruf zum Dienst an Gott gehört.

Als ich sieben Jahre alt war sind wir nach Mexico City umgezogen. Dort habe ich die Volksschule und dann das
Gymnasium besucht. Schon während der Gymnasialzeit habe ich mit einem neuen Indianervolk gearbeitet. Es waren
Nahuatl, der gleiche Stamm wie die Azteken. Ich habe u. a. auch in einer forstwirtschaftlichen Genossenschaft
gearbeitet. Früher haben die Leute ihr Holz an einen Zwischenhändler verkauft und nur sehr wenig verdient. Wir
konnten es direkt dem Einkäufer verkaufen. Natürlich hat das die Zwischenhändler geärgert. So wurden wir
bedroht. Es war das erste mal, dass ich Verfolgung und auch Angst erlebt habe. Für die Indianer ist das allerdings
ein tägliches Erlebnis. So habe ich mich entschlossen Landwirtschaft zu studieren. Ich habe mich auch für die
Indianer entschieden. Als ich meine Studien (Agraringenieur) beendet hatte, bin ich als Laienmissionar
nach Südamerika gegangen. Ich habe als Entwicklungshelfer in der Landwirtschaft in Bolivien
gearbeitet. Vier Jahre habe ich mit dem Quechuavolk gelebt. Ich war Lehrer an einer Landschule. Am Wochenende
arbeitete ich in der Pastoral. Ich habe als Christ dort einen lebendigen und starken Glauben gelebt.
Ich wollte meinen Glauben dem Volk der Quechua näher bringen. Schwierig war es für mich, die Kultur dieses
Volkes kennen zu lernen. Die Quechua sind Fremden gegenüber sehr misstrauisch, weil sie von den
Ausländern viel Leid erfahren mussten. So sah ich mich gezwungen etwas zu machen, um ihr Vertrauen zu gewinnen.
Ich brauchte sechs Monate um einen freundschaftlich gesinnten Menschen zu gewinnen, dann wurde ich zu
einem Fest eingeladen. Dieses Fest dauerte vier Tage und fand auf einer großen Wiese in viertausend Metern
Höhe statt. In der Mitte der Wiese brannte ein Feuer, das ständig mit Holz und Zweigen angefacht wurde. Die
Leute bildeten einen Kreis und tanzten dabei ständig. Und nun war ich einer, der mit ihnen getanzt hat. Nach
diesem Fest öffneten mir viele Quechua ihr Herz und ich gewann ihr Vertrauen. Ich habe an mehreren religiösen
Feierlichkeiten teilgenommen, bei denen man die Anwesenheit Gottes erleben konnte. Die Quechua haben
mir ein neues Gottesbild vermittelt. Sie haben ein starkes Gefühl für Gemeinschaft. Man dürfte von einer kollektiven
Identität sprechen. Ich beschreibe das mit den Worten: „Ich sind: wir bin“. Das bedeutet: Es gibt kein
Ich ohne Wir und umgekehrt. Ihre Verbindung mit Gott ist ein gemeinschaftliches Erlebnis. Die Quechua verstehen
die Welt als eine große Familie.

Es gab keinen Priester in unserer Pfarrei. Deshalb hat der Bischof uns Laienmissionare
zur Pastoralarbeit eingeladen. Mit dieser Aufgabe habe ich die Gemeinschaften des dortigen Indianervolkes der
Quechua besucht. Diese Erfahrungen verwandelten meine Einstellung diesem Volk gegenüber und gaben mir
einen Plan für mein künftiges Leben. Ich fühlte, dass ich meine Berufung zum geistlichen Dienst durch das
Quechuavolk bekommen habe. Deshalb haben sie auch heute noch eine spezielle Stelle in meinem Herzen.
Ich wäre gerne dort geblieben um mit ihnen zu arbeiten. Aber leider ist meine Mutter krank geworden und
ich musste zurück nach Mexico City. Dort bin ich in die Gesellschaft Jesu (Jesuiten) eingetreten.
Während meiner jesuitischen Ausbildung und theologischen Studien in den 90er Jahren habe ich sechs Jahre in
Chiapas mit dem Tzeltalvolk das Leben geteilt. 1997 ist meine Mutter gestorben und im April 1999 mein Vater.
Sie konnten also beide nicht mehr meine Priesterweihe am 29. Mai 1999 an der Iberoamericana Universität in
Mexico City erleben. Meine Primiz feierte ich am Dreifaltigkeitssonntag, 30. Mai 1999 in der St. Ignatius Kirche
in Mexico City. Mein Provinzial schickte mich dann für das Doktorat nach Innsbruck. So war ich also für drei
Jahre in Tirol und einen Teil davon auch in Osttirol.

Etwas ganz Schönes und auch Wichtiges in meiner Berufungsgeschichte möchte ich noch erzählen.
Während meines dreiwöchigen Aufenthaltes in Gaimberg im Sommer 2002 habe ich neben meinen Studien und
meiner Pastoralarbeit auch einen einmonatigen Aufenthalt in der Ukraine vorbereitet, geplant und organisiert.
(Danke Elisabeth für das Telefon und Internet!!) Ende August 2002 flog ich nach Moskau und von dort nach Kiew.
Ich wollte so gerne die Heimat meiner Großeltern kennen lernen. Dass es so weit gekommen ist, habe ich vielen
wunderbaren Fügungen Gottes zu verdanken.
So machten wir vom Jesuitenkolleg in Innsbruck einmal einen Ausflug nach Neuschwanstein, die
bayrischen Königsschlösser zu besichtigen. Im Bus dorthin saß auch ein Mann aus der Ukraine. Er wunderte
sich über meinen russischen Schreibnamen, obwohl ich aus Mexico bin. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte
mir von einem Bekannten (Universitätsprofessor in Litauen), der sich in der Gegend um Lemberg und Tschernobyl
gut auskennt. Ich wusste ja gar nicht, wo genau ich nach meinen Vorfahren suchen sollte. Nach langen und
spannenden, detektivischen Arbeiten, auch von Jesuitenmitbrüdern in Russland, fanden wir einen kleinen Ort, der
mir aus Erzählungen in meiner Kinderzeit bekannt vorgekommen ist (See, Teppichknüpfen, …). Nach vielen
Abenteuern kamen wir Mitte September dort an. Am Dorfeingang trafen wir eine Frau, die uns zum Friedhof führte.
Für mich war es ein tiefes Erleben, die verfallenen Grabhügel und Grabsteine mit dem Namen Zatyrka zu sehen.
Diese Frau erzählte uns von einer 96 Jährigen, die in diesem Dorf wohne – wenn wir wollen, würde sie
uns dorthin begleiten. Wir kamen zu dem alten Haus, meine Begleiter übersetzten den Grund unseres Besuches.
Da begannen ihre Augen zu strahlen und sie erzählte, dass sie als kleines Mädchen beim Abschied meiner Großeltern
aus der Ukraine (vor 88 Jahren!) dabei gewesen sei. Und sie erzählte so viel und lange und wusste trotz ihres
hohen Alters noch manches ganz genau. Dann fragte sie mich über mein Leben, meine Familie, meine Frau und
meine Kinder … Meine Freunde übersetzten ihr, dass ich keine Familie hätte, dass ich ein „Priestermönch“ sei.
Und dann begann sie heftig zu weinen, sie war ganz außer sich. Als sie sich beruhigt hatte, sagte sie zu mir:
„Deine Großmutter hat meine Eltern und mich beim Abschied gebeten, dafür zu beten, dass jemand aus der
Familie Zatyrka katholischer Geistlicher werden möge. Und ich habe darum mein ganzes Leben lang gebetet.
Und nun bist du da, und ich habe gesehen, dass mein Gebet nicht vergebens war. Und nun bin ich so glücklich
und froh – ich könnte jetzt vor Freude sterben! Danke, danke guter Gott!!“
Ich war so erschüttert, dass ich nur an die Stelle aus dem Lukasevangelium (LK 2, 25 – 32) denken konnte.

Vieles in meiner Berufungsgeschichte sehe ich nun in einem anderen Licht, es ist vieles durch diesen Besuch „bei
meinen Ahnen“ tiefer und bedeutsamer geworden. Und ich danke Gott für dieses Erlebnis noch heute!

Ein kleiner Einblick in die Doktorarbeit (Dissertation) Der Titel ist: Inkulturation der christlichen Ämter
in die indianischen Kulturen von Amerika. Fallstudien in den Tzeltal und Quechua Kulturen.
In den letzten Jahren fand der Begriff „Inkulturation“ seinen Platz im theologischen Jargon. Heute sprechen viele
Theologen über das Für und Wider von Inkulturation. Es entwickelten sich mitunter widersprüchliche Auffassungen
dieses Ausdrucks Vorwiegend herrscht die Meinung, dass Inkulturation „Übersetzung“ bedeutet.
Man müsste die christliche Botschaft in verständliche Bezeichnungen für eine fremde Kultur übersetzten. Einige
Forscher denken, dass die Inkulturation am besten von Pastoralarbeitern geleistet werden soll. Sie sollen
mit den indianischen Völkern leben und arbeiten, um so ihre Kultur verstehen zu können. In letzter Zeit
hört man mehr und mehr, dass Inkulturation ein Prozess ist, der am besten von den Indianern selbst
vorangetrieben werden muss. Sie inkulturieren den christlichen Glauben jeden Tag durch ihr Leben und ihre
Arbeiten in ihrem Kontext (=Einheit).Fast alle Studien, die sich mit Inkulturation beschäftigen, können
in drei große Gruppen eingeteilt werden. Eine dieser Gruppen entspringt der Mentalität des „New Christendom“,
deren Sorge es ist, eine „christliche Zivilisation“ zu bauen. Hier findet man Bewegungen wie „Evangelisation
2000“, Foccolare, charismatische Erneuerung, „Neo-Katechumenat“, und andere Laienbewegungen.
Die Idee ist, eine Zivilisation auf dem Fundament der Religion zu bauen, wobei angenommen wird, dass man
eine Religion finden kann, die von jeglicher Kultur unvoreingenommen ist. Mit ihrer Hilfe könnte man eine
universelle christliche Zivilisation errichten, die von allen akzeptiert wird. Darum legen diese
Bewegungen einen sehr starken Nachdruck auf Gleichförmigkeit (Liturgie, Sprache, Lieder, usw.) und haben
auch großen Zuspruch. Als andere Annäherung ist die „inkulturierte Pastoralpraxis“ genannt worden. Ihre
Verfechter finden,dass inkulturierte Pastoralpraxis eine historische Kirchenpraxis ist. Vom dogmatischen
Standpunkt aus, ist sie auf das Geheimnis der Menschwerdung und der allgemeinen Erlösung gegründet.
Ihre wichtigste Sorge ist die Anpassung der christlichen Botschaft an verschiedene Pastoralgebiete,
z.B., Ausbildung, Sozialsorge, Menschenrechte, Familienämter, Jugendarbeit, usw. Die Hauptträger wären
sensibilisierte Pastoralarbeiter. Der Nachdruck liegt auf der Evangelisation der Kulturen, was Inkuluration
meint. Die christliche Botschaft soll jeder Kultur helfen, ihre menschliche Reife zu finden. Es gibt eine dritte
Annäherung, die so genannte „inkulturierende Gemeinschaft“. Sie ist auf der traditionellen und fruchtbaren
Praxis verschiedener Gruppen und Ämter gegründet. Mit ihrem sensus fidei (=Gespür für Kirche) haben diese
Gemeinschaften das christliche Kerygma (=Verkündigung) aufgenommen und haben ihre eigenen Glaubensformen
produziert. Jede Gemeinschaft hat spontan ihre Erwiderung zum Evangelium entwickelt. Die Erwiderung enthält
indianische Symbole und Praktiken. Sie helfen den Leuten sich mit der transzendentalen Erfahrung des Evangeliums
zu vereinigen. Deshalb kann man sie eine Religion (religare, wieder binden) nennen. Von einem dogmatischen
Standpunkt aus, ist „inkulturierende Gemeinschaft“ auf dem Pfingstereignis gegründet. Pfingsten ist das
Grundereignis der Kirche. Seither hat der Heilige Geist jeder Person und Kultur die Stärke gegeben, ein Zeuge
Christi zu werden. Der Heilige Geist ist das Herz des Inkulturationsprozesses. In meiner Fallstudie werde ich mich
von diesem letztgenannten Gesichtspunkt aus annähern. Der Heilige Geist, der in allen indianischen Kulturen
anwesend ist, hat diese Kulturen in der Heilsgeschichte situiert (in die richtige Lage gebracht). Sie waren vorbereitet
die christliche Botschaft zu hören und zu akzeptieren. Sie haben die Gnade von Gott bekommen in der
Universalkirche ein neues Verständnis der Botschaft einzubringen.

Anmerkung der Redaktion:
Pater Alexanders Doktorarbeit umfasst 1000 Seiten und ist in fünf Bände gebunden.
Sein zukünftiger Wirkungsbereich wird an der Theologischen Fakultät,
Colegio Máximo de Christo Rey in Mexico City sein.

Wir wünschen Pater Alexander alles
Gute und Gottes Segen.

Von Elisabeth Klaunzer

Hirt-Schaf

„Der gute Hirte und das verlorene Schaf“;
die letzte „Arbeit“ von Pater Alex in Gaimberg.

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Geistige Mutterschaft

Posted by conservare - 28/10/2009

Ich habe es hier schon erwähnt. Das Heft „Eucharistische Anbetung zur Heiligung der Priester und geistige Mutterschaft“ ist nur zu empfehlen. Einige Kommentatorinnen haben es auch schon bestätigt.

Und jetzt möchte ich ein bisschen näher auf dieses Heft und den Inhalt eingehen.

Also erstens: Es ist kostenlos bei Kirche in Not (siehe Link) bestellbar, nur ab 10 Exemplare aufwärts muss man die Bestellung telefonisch abgeben. Dürfte kein Problem sein und das ist es wirklich wert. Ich kann es nicht empfehlen 50 Heftchen zu bestellen und die in der Pfarrkirche am Schriftenstand auszulegen. Lieber nicht. Fangt klein an. Bestellt mal so fünf, sechs oder zehn Stück und verteilt die an Bekannte, Verwandte, Freunde. Was ich noch besser finde: Wenn ihr in der Nähe eines Klosters wohnt, dann schenkt den Schwestern dort doch ein paar Broschüren. Ich bin sicher, auch da gibt es Frauen, die mit so einer Mutterschaft etwas anfangen können. Noch dazu wo es zu unserer Tradition gehört, dass in Klöstern sehr viel für Berufungen und Priester gebetet wird.

Zur Einstimmung, quasi als Appetizer möchte ich die Seite 12 hier abtippen.

Wer kann eine Geistige Mutter für die Priester sein?
Um geistige Mutter für Priester zu sein, muss eine Frau nicht leibliche Mutter eines Priestersohnes sein. Unabhängig von Alter und Stand können alle Frauen, also Unverheiratete, Familienmütter, Witwen, Ordensfrauen und Gottgeweihte und vor allem jene, die ihre Leiden in Liebe aufopfern, zu geistigen Müttern für die Priester werden. Selbst einem Kind, das weder lesen noch schreiben konnte, der seligen Jacinta von Fatima, dankte kein Geringerer als Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 2000 für ihre Hilfe in seiner universalen Hirtenberufung: „Ich drücke meine Dankbarkeit auch der seligen Jacinta gegenüber aus für die Opfer und Gebete, die sie für den Heiligen Vater dargebracht hat, den sie so sehr leiden gesehen hat.“
Natürlich sind Männer von der Mithilfe für die Berufungen und für die Heiligung der Priester keinesfalls ausgeschlossen; haben wir doch alle diese Berufung, dabei mitzuwirken! In dieser jetzigen Zeit bedarf es ja mehr denn je unser aller Unterstützung, damit die Priester sich in der Treue zu ihrer Berufung heiligen.

Wie hilft eine geistige Mutter den Priestern?
Für den, der sich innerlich entschlossen hat: „Ich möchte Gott mein ganzes Leben für die Heiligung der Priester schenken!“, ist es natürlich nicht möglich, immer konkret an diese geistige Mutterschaft zu denken. Das übernimmt dann Jesus, dem z.B. eine Familienmutter ihren Alltag mit all seinen Freuden, Pflichten und Verzichten zum geistigen Geschenk für die Priester macht.
Auch ein kurzes Gebet im Augenblick der Hl. Kommunion, bewusst für einen Priester gebetet, ist eine konkrete Gabe; oder wenn man einmal eine Stunde still bei Gott vor dem Allerheiligsten ist, den Rosenkranz betet und ihm diese Zeit der Anbetung für Priester schenkt, die beim heutigen Priestermangel oft so sehr mit pastoralen und administrativen Aufgaben überlastet sind, dass sie meinen, keine Zeit mehr für das persönliche, stille Gebet zu haben. Besonders wertvolle Hilfen für ein Priesterleben sind natürlich die geistigen Opfer: wenn eine geistige Mutter für die Priester z.B. bewusst darauf verzichtet, sich von Gott geliebt zu erleben oder getröstet vom Gebet wegzugehen, damit ein Priester diese Liebe und diesen Trost spürbar erleben darf; oder wenn man Einsamkeit und Trockenheit, Demütigungen und Verletzungen, Prüfungen und Versuchungen der Welt, die sehr wohl auch Priester kennen, stellvertretend in Liebe trägt. Auch eine Krankheit oder ein körperlicher Schmerz, im Geist des Glaubens und mit Geduld ertragen, kann zu einer kostbaren Gnadenquelle für Priester werden.
Die ergreifenden Beispiele heiliger Mütter für die Priester, die in der Broschüre beschrieben werden, sollen uns ermutigen, viel lebendiger an die Macht der unsichtbaren, aber ganz reellen geistigen Mutterschaft für die Priester zu glauben. Sie zeigen, dass Gebet und verborgene Opfer aus Liebe und in übernatürlicher Gesinnung eine mächtige und erfahrbare Auswirkung für die Priester haben.

Soweit Seite 12, die schon mal einen sehr guten Einblick in die Dichte dieses Themas erlaubt.
Im weiteren Verlauf der Broschüre gibt es dann noch „Tipps“ zur Verwirklichung so einer Mutterschaft, sowie Beispiele aus dem Leben anderer geistiger Mütter, die zum Teil jetzt unter den Heiligen und Seligen unserer Kirche verehrt werden.

Da finden wir den hl. Pius X., mit dem berühmten Zitat: „Jede Priesterberufung entspringt dem Herzen Gottes, geht aber durch das Herz einer Mutter!“

Den hl Augustinus, der ohne seiner Mutter, die Hl. Monika, wohl heute für die Kirche nicht das wäre, was er ist. Wie er das auch selber sagt: „Was und wie ich geworden bin, verdanke ich meiner Mutter!“

und weitere zahlreiche Vorbilder, unter anderem: Eliza Vaughan, sel. Maria Deluil Martiny, sel. Alessandrina da Costa, Consolata Bertone.

Auch für einen Papst kann man eine geistige Mutter sein – besonders in der heutigen Zeit kann unser Heiliger Vater in Rom einige Gebete mehr gebrauchen.

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„Wir gehen zugrunde!“

Posted by conservare - 27/10/2009

Der Priestermangel, Kirchenkrise, der Priestermangel, Ratlosigkeit, die Krise, das Geld, 20% weniger Kirchensteuereinnahmen, die Krise, der Priestermangel, das Geld, die Wirtschaftskrise, Ratlosigkeit, Säkularisierung, Profanisierung…… Priestermangel

Haaalt!

Sieht so die Kirche in Mitteleuropa aus?
Na dann gute Nacht.

Wo bleibt die Hoffnung, das Vertrauen auf Gott und der Glaube?

Über das Geld, die Kirchensteuer und die Verweltlichung möchte ich jetzt nicht schreiben, sondern eher über den Priestermangel. Da werden in letzter Zeit immer mehr Stimmen laut, die sich so anhören: „Wir gehen zugrunde!“

Aber gehen wir wirklich zugrunde? Und wenn ja, wie könnte man das verhindern?

Matthäus 8, 24-26
Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief.
Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein.

Auf dem Meer entsteht also ein Sturm und die Apostel geraten in Verzweiflung, ja in Angst. Auf dem Boot schläft Jesus.
Lässt Er seine Jünger in der Gefahr allein?
Sie wecken Jesus auf und rufen: „Wir gehen zugrunde!“
Aber warum hat Jesus sie daraufhin Kleingläubige genannt?
Immerhin haben sie ja geglaubt, dass der Herr Wunder wirken kann und haben Ihn nur deshalb geweckt.
Scheinbar hatte Jesus erwartet, dass sie Ihn schlafen lassen, und so bedeutet Seine Rüge wohl eher:
Bleibt doch im Sturm! Ich bin ja da!
Die Erwartung, dass ich die Ruhe wieder herstelle durch ein Wunder ist ein zu kleiner Glaube.
Ihr sollt glauben, dass, wenn ich mit euch im Schiff bin, dieses nicht untergeht, auch wenn der Sturm es mit Wasser füllt und ihr bis ans Ende der Welt gegen den Wind zu rudern habt.

Auf das Eintreten der Windstille zu hoffen, wäre also ein zu kleiner Glaube.

Wir gehen nicht zugrunde, selbst wenn dieser Priestermangel voranschreiten sollte. Notfalls muss man halt in der Zukunft ein paar Kilometer weiter fahren/laufen, um eine Heilige Messe zu besuchen. So langsam lässt sich erkennen, dass wir immer mehr zur Minderheit werden. Die Konsequenz dieser Schrumpfung kann aber nicht die Ausdehnung des Priesteramts bis zur vollkommenen Transparenz sein, sondern die einzige Konsequenz ist die Konzentration auf die Größe des geweihten Priesters, die ihm durch die Vollmacht von Jesus Christus verliehen wird. Wir müssen auf den Herrn schauen, und nicht auf die Kirchensteuern.

Der Priestermangel, wenn es ihn so gibt, ist eine Aufgabe, die gelöst werden kann, ohne die Kompetenzen der Laien ad absurdum zu führen. Es ist eine Aufgabe, die meiner Meinung nach nur mit dem Glauben zu bestehen ist und nicht mit einer ausgefeilten Strategie.

Jesus sagte nicht: Deine Strategie hat dir geholfen
sondern Er sagte: Dein Glaube hat dir geholfen.

Ich persönlich bin ja der Meinung, dass das ständige Herumdoktern am und mit dem sogenannten „Pastoral-Team“ nicht nur eine schlechte, sondern im Grunde eine komplett falsche Lösung ist. Für jedes Fingerkrümmen wird derzeit in immer mehr Pfarreien ein Amt vergeben. Aber – und ja, dass ist meine Auffassung – man kann sich auch wohlstrukturiert zu Tode amtieren.

Es gibt vieles, was in einer Pfarrgemeinde unter einander getan werden kann, einfach so aus Nächstenliebe. Dazu braucht es kein Amt und nicht einmal eine Festanstellung, denn wir sind Christen und sollten daher sowieso untereinander helfen. Da kann man noch so viele strategische Verbesserungen im „Pastoral-Team“ vornehmen und noch zigtausend PastoralreferentInnen und Ersatz-Seelsorger einstellen. Richtige Veränderungen und Reformen, richtige Verbesserungen gehen in der Kirche nie durch so eine Art Aktionismus im Alleingang vonstatten. Und ohne Tradition wird das auch nicht funktionieren, denn woher will man denn das Feuer nehmen, welches man weitergeben möchte?

S. E. Kardinal Schönborn erzählt der Öffentlichkeit, er sei ratlos. Ja gibt es das überhaupt? Ich mein, wie kann man angesichts der Tatsache, dass es in der Kirche so viel zu tun gibt, ratlos sein? Da dürfte man eigentlich gar keine Zeit mehr für Ratlosigkeit haben, weil man wirklich überall anpacken muss.

– sich an den Heiligen Geist wenden und dann

– den Heiligen Geist in sich beten und seufzen lassen und dann

– sagen, was Sache ist;

– sich auf die Seite des Lebens schlagen

– dem blindwütigen Aktionismus abschwören;

– aufhören ständig das Rad neu erfinden zu wollen;

– das eucharistische Verständnis fördern

– Diplomatie zur rechten Zeit ausschalten;

– das Kreuz auf sich nehmen und Jesus nachfolgen;

– die Mietlinge aus dem Schafsgehege verbannen;

– den Wölfen den Schafspelz übers Ohr ziehen und davon jagen;

– den zahlreichen Vorbildern nacheifern

usw.

Es gibt doch wahrlich viel zu tun!

Erst gestern habe ich eine wundervolle und sehr segensreiche Möglichkeit zur Unterstützung der Priester und der Priesterberufungen entdeckt. Und zwar im Heft „Eucharistische Anbetung zur Heiligung der Priester und geistige Mutterschaft“ von Kirche in Not. Ich kann diese Broschüre wärmstens an alle katholische Frauen empfehlen, die nicht selbst Priester werden wollen, sondern ihr Leben vor Gott tragen und in den Dienst der geistigen Mutterschaft für Priester stellen.

Über diese geistige Mutterschaft möchte ich in einem zweiten Artikel ausführlicher schreiben.

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P. Johannes Baptista Reus SJ – Teil 1

Posted by conservare - 20/10/2009

O Padre Reus

Padre Johannes Baptista Reus, S.J.

(*10.07.1868 – + 21.07.1947)

gestorben in Sao Leopoldo im Rufe der Heiligkeit.

Er wurde am 10.07.1868 in Pottenstein (Oberfranken) geboren. In der Erzdiözese Bamberg war er nach seiner Priesterweihe (30.07.1893) ein Jahr als Kaplan in Neuhaus/Pegnitz tätig. Dann trat er in den Jesuitenorden ein. Sein Wunsch war, in die Mission zu gehen. Nach Abschluss seiner Studien wurde er im Jahre 1900 nach Brasilien gesandt, wo er einige Jahre in den Städten Rio Grande und Sao Leopoldo in der Seelsorge wirkte, bis er seine Hauptaufgabe in der Ausbildung von Priestern und Ordensleuten fand. Padre Reus erlebte dabei keinen besonderen Erfolg und erwarb sich keine außergewöhnlichen Sympathien. Er lebte bescheiden und starb, ohne Aufsehen zu erregen, am 21.07.1947.

Schlagartig mit seinem Tod setzt eine gewaltige Verehrung von Padre Reus ein. Der Zustrom zu seinem Grab kennt kaum einen Vergleich. Man kann sich das nur erklären, wenn man hinter der äußeren Zurückgezogenheit seines bescheidenen Lebens seine innere Größe und Heiligkeit entdeckt.

Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen erfahren wir, dass sich Padre Reus von Gott außerordentlich geliebt und begnadigt wußte (durch Visionen, mystische Erlebnisse). Innigst vertraut mit Gott bemühte er sich seinerseits mit rührendstem Eifer um Gehorsam und Treue im Kleinen, um dem Wunsche Gottes zu entsprechen: heilig zu sein, ganz Gott zu gehören.

Wenn Pater Reus von Gott zu besonderer Heiligkeit ausersehen war, dann will uns Gott durch sein Leben auf etwas aufmerksam machen. In den Heiligen kommt die Liebe Gottes zu den Menschen klarer zum Durchbruch. Sie machen die Liebe Gottes zu den Menschen sichtbar und leben uns vor, wie wir Gott lieben sollen. Im Leben eines Heiligen betont Gott auch gerne eine besondere Glaubenswahrheit, die im Bewusstsein der Kirche nicht genügend lebendig ist und gibt damit Antwort auf eine Not der Zeit. In der Glaubensunsicherheit unserer Tage rückt die Glaubenserfahrung von Pater Reus vor allem zwei Wahrheiten ins Licht: Die Berufung zur Heiligkeit und die Würde des Priesterberufes.

Im II. Vatikanischen Konzil haben unsere Bischöfe an die Berufung aller Gläubigen zur Heiligkeit neu und eindringlich erinnert. Padre Reus hat vorgelebt, wie man auch in einem völlig glanz- und erfolgslosen Leben heilig ist, das heißt für Gott lebt und den Menschen durch Freundlichkeit und Güte die Liebe Gottes bezeugt.

Dass Padre Reus als Priester in Brasilien wirkte, einem Land mit einem katastrophalen Priestermangel, dürfte auch als Hinweis auf seine Aufgabe für die Kirche von heute verstanden werden. Im Leben des Pater gibt Gott eine Antwort auf die tiefste Not in der Frage des Priesterberufes, die nicht darin besteht, dass es erschreckend wenig Priester gibt, sondern viel mehr, dass der Sinn des geistlichen Berufes überhaupt in Frage gestellt wird.

Der Priester handelt in der Person Christi, wie das Konzil sagt (Konstitution über die Kirche), und stellt durch sein Leben und Wirken Christus dar. Dies hat Pater Reus als Wirklichkeit erfahren. Und jetzt nach seinem Tod scheint der Pater – wie aus bald 100 000 Gebetserhörungen hervorgeht – die Frage nach dem priesterlichen Wirken in dieser Welt dadurch zu beantworten, dass durch seine Fürsprache viele Menschen die Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit Gottes erfahren und so einen besseren Zugang zu Gott finden.

Die beispielhafte Bedeutung des heiligmäßigen Lebens des Dieners Gottes Johannes Baptist Reus wird in Brasilien (und Teilen der Schweiz) schon viel mehr anerkannt als in Deutschland.

Die ersten Phasen des sonst so langwierigen Seligsprechungsprozesses wurden auffallend rasch abgewickelt; trotzdem lässt sich der weitere Verlauf noch nicht überblicken. Es lag sicher nicht im Sinn von P. Reus, seine Heiligsprechung zu erreichen. Das kann auch nicht das erste Anliegen seiner Verehrung sein. Eine Verehrung erweist sich vielmehr dadurch als echt, dass sie aufgreift, was er beispielhaft vorleben sollte: priesterlich leben für Gott.

Gebet:

Heiliger Gott, in der Taufe gibst Du uns Anteil
an Deinem Leben und berufst uns, Dir zu gehören.
Dein Diener Johannes hat ganz Deiner Liebe
und Ehre gelebt.
Erweise Dich nun herrlich in seinem Wirken
und schenke ihm Deine Herrlichkeit.
Uns aber gib die Gnade,
ihn nachzuahmen im vertrauten Umgang mit Dir
und im eifrigen Werke für Priester- und Ordensberufe.
Durch Christus unseren Herrn. Amen.

Aus einem alten Gebetszettel des Päpstlichen Werk für geistliche Berufe in der Erzdiözese Bamberg

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