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… Salz der Erde

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Er trägt die Fesseln in Freiheit

Posted by conservare - 25/02/2010

Gregorio Fernandez - gegeißelter Heiland

Gregorio Fernandez - gegeißelter Heiland

Das ist nicht die Freiheit,
die wir suchen –
angebunden zu sein
mit Stricken
und Ketten
an Händen
an Armen
und um den Hals.

Angebunden wie das Vieh im Stall,
mit einer schweren Kette
um den Hals,
leicht nach vorne gebeugt.

Zu alldem schweigt er.
Wie ein Lamm, das man zum
Schlachten führt,
und wie ein Schaf angesichts seiner
Scherer,
so tut er den Mund nicht auf.
Warum?
Weil er angebunden frei ist;
weil er geschlagen ungeschlagen bleibt;
weil er mit unserer Schuld beladen
ohne Sünde ist.

Er nimmt an;
darum ist er frei.
Wir lehnen ab,
lehnen uns auf,
weigern uns anzunehmen.
Darum sind wir unfrei.

Frei ist nicht der Ungebundene,
frei ist der Liebende.
Der Liebende vermag auch Fesseln
zu tragen,
wenn sie dem Geliebten zum Heil sind.

Er trägt die Fesseln in Freiheit.
Er reißt sich nicht los.
Er nimmt sie an,
um die zu lösen,
die in Wahrheit gebunden sind,
deren Blick nicht mehr frei ist,
die dem anderen nicht mehr ins Auge
schauen können,
weil Frevel an ihren Händen klebt.

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Gebet:

Du gebundener Heiland,
du Löser unserer Schuld,
befreie uns von den Fesseln,
die uns binden,
und sprich uns frei von unseren Sünden,
damit wir frei werden,
uns binden zu lassen,
um Lösedienst in dieser Welt zu leisten,
indem wir statt zu hassen
lieben lernen,
so wie du uns liebst. Amen.

_____________

Text: Peter Sigmund

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Bedenke Mensch, dass du Staub bist

Posted by conservare - 16/02/2010

Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst (Genesis 3,19)

Kehrt um und glaubt an das Evangelium! (Markus 1,15)

Und daher kommt unser Brauch des Aschenkreuzes:

Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche.“
Jon 3,6

Ich richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, um ihn mit Gebet und Flehen, bei Fasten in Sack und Asche, zu bitten.“
Dan 9,3

Morgen ist es also wieder so weit – Aschermittwoch – Beginn der Fastenzeit.
Irgendwie freue ich mich darauf. Ich weiß nicht warum, aber die vorösterliche Fastenzeit, die mit dem Austeilen des Aschenkreuzes eingeläutet wird, ist mir lieber als die adventliche Fastenzeit. Endlich kann man mal wieder mit einem objektiv guten Grund kollektiv Buße tun und am Reinigungsprozess der eigenen Person und der Kirche mitwirken. Ist das nicht wunderbar? Und dann noch die Kreuzweg-Andachten; die Kreuzweg-Prozessionen; die Fastenpredigten; die Exerzitien… das sind sehr nützliche und besinnliche Hilfsmittel in diesen kargen 40 Tagen der Stille, der Buße, des Opfers und der Umkehr.

Was macht man sonst noch in diesen Tagen? Viel beten; in der Bibel lesen; Buß-Psalmen beten; sämtlichen Konsum reduzieren; viel spenden; Palmzweige sammeln (jetzt noch nicht ;-)); schweigen; gute geistliche Lektüre lesen oder auch die „Lectio Divina“ üben… ach es gibt beinahe so viel zu tun, dass es eigentlich keine karge, sondern eine reiche Fastenzeit ist. Wie soll man da zur Ruhe kommen? Vielleicht ist es ganz sinnvoll, sich nur begrenzt diverse Aktionen vorzunehmen. Wir Menschen sind doch immer ganz gut darin, durch übermäßiges Tun uns selbst zu übertünchen. Ehe man sich dann versieht, sitzt man zur Osternacht mit dem gleichen Ego in der Kirche, wie vor der Fastenzeit. Dabei sollen wir doch mit Christus leiden, sterben und an Ostern auferstehen. So wie letztes Jahr will ich nicht mehr „enden“ und deswegen möchte ich mir in jeder Fasten-Woche mindestens 2 Tage der absoluten Spärlichkeit und Ruhe einrichten, um auf Gottes Stimme zu „hören“. Denn wie oft kommt es vor, dass ich Ihn mit einem Redeschwall niederbügel, bis ich Ihm gegenüber ganz taub und blind bin. In der Stille lernt man das Hören und den Gehorsam. Im Lärm und im Trubel wird man taub und stumpfsinnig. Dieser Lärm, den man meistens ja selbst um sich herum zu verantworten hat, macht mich nicht zuletzt auch taub gegenüber meiner Mitmenschen. Also heißt es für mich dieses Jahr: In der Ruhe liegt die Kraft um gegen das schnatterhafte Ego bestehen zu können.

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Siehe, o guter und lieber Jesus, vor deinem Angesicht werfe ich mich
auf die Knie nieder und bitte dich, aus tiefer Seele flehend: Präge
meinem Herzen ein den lebendigen Geist des Glaubens, der Hoffnung
und der Liebe, eine wahre Reue über meine Sünden und den festen
Willen, mich zu bessern. Mit innigem Mitleid und tiefem Schmerze
schaue ich auf deine fünf Wunden und erwäge dabei, was der Prophet
David von dir, o guter Jesus, geweissagt hat: Sie haben meine Hände
und meine Füße durchbohrt; sie haben alle meine Gebeine gezählt.

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Neunte Station

Posted by conservare - 05/02/2010

Neunte Station

Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.
L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem Buch der Klagelieder. 3, 27-32
Gut ist es für den Mann, ein Joch zu tragen in der Jugend. Er sitze einsam und schweige, wenn der Herr es ihm auflegt. Er beuge in den Staub seinen Mund; vielleicht ist noch Hoffnung. Er biete die Wange dem, der ihn schlägt, und lasse sich sättigen mit Schmach. Denn nicht für immer verwirft der Herr. Hat er betrübt, erbarmt er sich auch wieder nach seiner großen Huld.

BETRACHTUNG
Was kann uns der dritte Fall Jesu unter dem Kreuz sagen? Wir haben an den Sturz des Menschen insgesamt gedacht, an den Abfall so vieler von Christus in einen gottlosen Säkularismus hinein. Müssen wir nicht auch daran denken, wie viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muß? Wie oft wird das heilige Sakrament seiner Gegenwart mißbraucht, in welche Leere und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein? Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? Wie oft wird sein Wort verdreht und mißbraucht? Wie wenig Glaube ist in so vielen Theorien, wie viel leeres Gerede gibt es? Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit? Wie wenig achten wir das Sakrament der Versöhnung, in dem er uns erwartet, um uns von unserem Fall aufzurichten? All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muß doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie, eleison – Herr, rette uns (vgl. Mt 8, 25).

GEBET
Herr, oft erscheint uns deine Kirche wie ein sinkendes Boot, das schon voll Wasser gelaufen und ganz und gar leck ist. Und auf deinem Ackerfeld sehen wir mehr Unkraut als Weizen. Das verschmutzte Gewand und Gesicht deiner Kirche erschüttert uns. Aber wir selber sind es doch, die sie verschmutzen. Wir selber verraten dich immer wieder nach allen großen Worten und Gebärden. Erbarme dich deiner Kirche: Auch mitten in ihr fällt Adam immer wieder. Wir ziehen dich mit unserem Fall zu Boden, und Satan lacht, weil er hofft, daß du von diesem Fall nicht wieder aufstehen kannst, daß du in den Fall deiner Kirche hineingezogen selber als Besiegter am Boden bleibst. Und doch wirst du aufstehen. Du bist aufgestanden – auferstanden und du kannst auch uns wieder aufrichten. Heile und heilige deine Kirche. Heile und heilige uns. Amen.

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Kardinal Ratzinger, Rom 2005

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